Flugverkehr (49): ausgestopfte Vögel

Gehen wir nochmals ins Naturkundemuseum, in die Abteilung ausgestopfte Vögel. Greifen wir uns ein paar ansehnliche Exemplare vornehmlich aus der Gruppe der Raubvögel heraus. Leider habe ich es versäumt, mir die Namen aufzuschreiben.

Schon der erste gibt Rätsel auf. Er kann auch Menschengestalt annehmen, wie wir im Bild darunter sehen; oder ist Chiara, die sich vor der Kälte schützte, eine Verwandte dieses Haubenträgers?

Der nächste ist ein roter Milan, erkennbar im Flug an dem geschweiften Schwanz. In der Nähe des Flughafens Kloten fliegen einige dieser Milane umher und schreien iih-iih-iiiiieih. Vermutlich sollen sie Kleinvögel jagen, die sonst die Flugbewegungen der Stahlmonster stören.

Unten sehen wir den Lämmergeier. Er hat ein trauriges Gesicht, weil ihn, den Aasfresser, keiner mag. Er wird es schwer haben, Nahrung zu finden, und man weiß, dass die Religionsgruppe der Parsen davon Abstand nehmen mussten, die Leichen ihrer Verstorbenen auf einen Berg zu legen, da die Vögel dazu fehlen.

 

Links sehen wir einen Kranich, allerdings keinen grauen wie bei uns und auch keinen weißen wie in der Karibik. Ich habe ja über Walcotts Reiher-Gedichtband geschrieben und zitiere nun aus einem Gedicht daraus: »The elegance of those white, orange-billed egrets, / each like a stalking ewer, the thick olive trees … They shall / be there after my shadow passes with all its sins / into a green thicket of oblivion, / with the rising and setting of a hundred suns / over Santa Cruz Valley where I loved in vain.« Ich freue mich auf den nächsten Reiher, der aus dem Bachbett aufsteigt und vor mir den Himmel gewinnt. In Gedicht IV schreibt Walcott (in der Übersetzung von Werner von Koppenfels): »… wie gut/ stolzierende Vollkommenheit sie kleidet, wissen sie. Sie sprenkeln / die Inseln, am Fluß, auf Weiden, im Mangrovensumpf, / auf Seen gleitend, sich auf dem seidigen Rücken einer Färse / wiegend und dann bei Hurrikanwetter / … dann steigen sie auf, schneller schlagen die Flügel, / sicher wie Seraphschwingen ihr Schlag.«

Auf dem Berliner Dom stieß ich dann noch auf ein gefiedertes Wesen: einen Geige spielenden Engel. Die Flügel der Engel sollten aber Thema eines eigenen Beitrags sein, fällt mir gerade ein, und das Bild ist für meinen Vater, der heute Geburtstag gehabt hätte.   

 

 

 

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