Flugverkehr (52): Der tote Baron

Auch der Druckfehler habe sein Verdienst, sagte ein russsischer Autor , und ich tippte unentschlossen herum, und da stand es. Es sollte eigentlich der rote Baron heißen, denn um Manfred von Richthofen geht es, den deutschen Kampfflieger, aber ein Kampf war sein letzter, und dann war er ein toter Baron.

Mein Schwager Uli hielt mir ein Buch hin, Der rote Kampfflieger von Manfred von Richthofen, erschienen 1933. Musste ich lesen (und muss hier nochmal schreiben, dass auch mein Vater, 1929 geboren, Manfred hieß und wohl im Gedenken an den Helden so genannt wurde). Vorwort von Hermann Göring, Kommandant der späteren großdeutschen Luftwaffe, der von »der Flugwaffe« schreibt, die »an erster Stelle steht« und meint: »Für Deutschlands Größe und Macht hat Manfred von Richthofen gekämpft.«

Richthofen vor seinem Dreidecker (aus dem Band, Im Deutschen Verlag Berlin, 1933)

Das stimmt natürlich nicht. Der junge Mann flog einfach gern und fand es erregend, gegen andere zu kämpfen und sie vom Himmel zu holen. Damals, im Ersten Weltkrieg, war »die Flugwaffe« durchaus nicht entscheidend »für den Kampf der Völker«, wie Göring mit hohlem Pathos schrieb. Mit untermotorisierten Maschinen, denen am Boden schon ein Maulwurfsloch den Totalschaden bescherte, ging man aufeinander los. Beim Duell in der Luft ging es darum, sich hinter den Gegner zu setzen und ihm Maschinengewehrgarben ins Cockpit zu jagen, bis der abschmierte. Das wurde gepriesen, aber kriegsentscheidend war es in keiner Weise.

Leider wurde die Flugwaffe in den 30 Jahren nach dem Ersten Weltkrieg derart weiterentwickelt, dass Atombomben auf Japan abgeworfen werden und Städte wie Berlin und Dresden, Freiburg und München aus der Luft schwer beschädigt werden konnten. Hunderttausende starben, ein brennendes Inferno wurde entfacht. Da bekam Göring leider recht: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Flugwaffe entscheidend.

Manfred von Richthofen wurde in Breslau geboren, war also ein Schlesier (wie meine Großeltern väterlicherseits) und musste als Kavallerist (Reiter) im Ersten Weltkrieg zunächst in Ostrowo und Kalisch Dienst tun ― genau in den Städten, die in Schapers Roman Am Abend der Zeit im Mittelpunkt stehen, wo Baron Rausch zu Traubenberg sich in die schöne Gräfin verliebt. Richthofen wurde sogar nach Verdun geschickt, überlebte, fand es aber langweilig, meldete sich zum Flugdienst und lernte fliegen.

redbaron1Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein. Mit 52 Abschüssen rangierte er 1918 an der Spitze der Kampfflieger-Liste, und sein Bruder Lothar schaffte sogar in den ersten zwei Wochen nach seiner Ausbildung 20 Abschüsse. Wenn ein »Gewerbe« noch jung ist, wird man rasch zum Helden. Die Nation dürstete damals nach Helden. Richthofen bewies jedoch Instinkt und pinselte seine »Kiste«rot, was ihn zum roten Baron machte. Um den (britischen) Gegner, der ihn gern als Trophäe abgeschossen hätte, zu verwirren, malten dann alle Staffelkollegen ihre Maschinen rot an. Das alles ist noch einen zweiten Beitrag wert. Manfred von Richthofen bilanzierte in seinem Buch alle Verluste seiner Kameraden und sah den Tod klar vor sich, der ihn dann auch am 21. April 1918 in der Somme-Gegend in Frankreich ereilte. Er wurde 26 Jahre alt und mit allen Ehren bestattet.

 

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