100 Exemplare

Ich wollte so beginnen: 1. Mai. Aber das geht nicht. Das Programm sagt dir: nein. Du willst sicher eine Aufzählung beginnen. Also rückt es die Zeile ein. Zur Hölle mit ihm! Vor drei Jahren ist Lutz Schulenburg gestorben, der Nautilus-Verleger (mit Hanna Mittelstädt). Wir denken an ihn und schreiben über meinen Tod-am-Tiber-Flop. Ein weiterer meiner Flops.

Immerhin habe ich Lutz 20 Minuten gesehen und ihm die Hand geschüttelt. Es war am 11. September 2012, als wir über mein geplantes Buch Tod am Tiber sprachen. Das nächste war die Nachricht seines Todes. Er ist über alles hinaus, und wir müssen sein Erbe verwalten.

DSCN4051Viel Arbeit ist auch in dieses Buch geflossen. Und kürzlich bekam ich ein Schreiben mit den Verkaufszahlen. Es ist niederschmetternd, und ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Es ist zu grotesk. 2017 Exemplare waren gedruckt worden, und am 31. Dezember 2015 lagen noch 1933 Exemplare im Lager. Man hat mir 30 Euro überwiesen. 30 Euro! Das heißt, bis heute wurden 100 Bücher verkauft. Verkauft? Ich selber habe mindestens 40 verschenkt. Letztes Jahr hatte ich in Singen daraus gelesen. Hat den Leuten gefallen. (Illustration: in der Magliana. Weitermachen, hoch erhobenen Hauptes!)

Das Buch war durchaus präsent, lag in Buchhandlungen in Zürich und St. Gallen, bei der Fahrradausstellung in Hamburg im Museum der Arbeit, in Freiburg auch. Hat nichts genützt. Auch wenn es ein hervorragendes Buch ist. Eine Erklärung? Die Krimischwemme, die zu Überdruss führt und die ohnehin wenigen Leser auf mehr Bücher verteilt. Und: die Konzentration. The winner takes it all. So wie immer mehr über ein Thema oder zwei Themen geschrieben wird, so werden immer mehr von den erfolgreichen Büchern verkauft und immer weniger vom Rest.

Nautilus ist auch nicht irgendein Verlag, sondern genießt Achtung in der Landschaft. Da sitzt also ein Autor vor dem totalen Flop seines Buches, das er mit Herzblut geschrieben hat. Gerade Tod am Tiber lag mir am Herzen. Eigentlich ist alles richtig gemacht worden, und trotzdem: Endergebnis null. Oder 100 Exemplare, 8 Stück pro Monat verkauft. Da muss man ein wenig trauern. Ach, viel muss man trauern.

Dann nochmal darüber nachgedacht. Wer Bücher kauft, muss sich ja von Impulsen leiten lassen. Was drinsteckt in einem Buch, weiß man ja nicht. Ich denke: Ein Ermittler auf dem Fahrrad passt nicht in die Landschaft. Der Kommissar darf ja schräg sein, aber schwach darf er nicht sein. Er verkörpert die Macht und die Machtfantasien der Leserinnen und Leser, fährt natürlich Auto, hat eine Waffe, repariert die Welt und stellt Gerechtigkeit wieder her. Obendrein ist Rom als Stadt derzeit vielleicht nicht »sexy«: zuviel Altertum, zuviel Geschichte, zuviel Christentum. Die Leute sind nicht mehr gläubig. Barcelona und Berlin sind im Trend, Mailand und München auch, Paris sowieso. Und man braucht Rezensionen.

Kürzlich war ich in der grössten Buchhandlung Müllheims, einer Kleinstadt nebenan. Auch das stimmt traurig. Man bekommt das Gefühl, vor 1990 seien keine Bücher geschrieben worden, habe es kein Geistesleben gegeben. Jane Austen gab’s immerhin und Stiller von Max Frisch habe ich gefunden. Sonst nur Krimis und diese halblustigen Unterhaltungsbücher mit gewollt schrägen Titeln. Kleinere Büchereien müssen eben zeigen, was sich verkauft; und was gezeigt wird, verkauft sich auch. Also trauere ich noch ein wenig und schreibe dann weiter. Und manipogo macht Freude. Im Januar, März und April jeweils mehr als 10.000 Abrufe (gestern wurde es knapp: 10.005 kurz vor Mitternacht!) Das ist kein Flop!

Ein paar Links zu meinen Büchern, an amazon kommt man da nicht vorbei.
Der Placebo-Effekt (2015)
Zeit und Bewusstsein (2013)
Tod am Tiber (2014)
Mörderisches Rom (2006)
Radsport furios (2012, E-Book)
Magischer Sport (2014, E-Book)
Phantome der Berge (1997);
Radsport kurios (2006).
(Kann man kaufen. Wollte ich nur gesagt haben!)

 

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