Gelduniversum

Die Geldwirtschaft ab dem 13. Jahrhundert machte den Klöstern zu schaffen, erfuhren wir im letzten Beitrag. Wie hat man eigentlich vor dem Geld gelebt? Man tauschte vermutlich; und Gold war eine Währung, die aber selbst schon Wert war und auf die man gut aufpassen musste.

Oswald von Wolkenstein (1377-1445) war der erste Liedermacher Europas und ein großer deutscher Dichter. Rolf Hannes hat seine Gedichte neu übersetzt (demnächst erscheint seine Sammlung als E-Book, ich gebe Bescheid), und auf einer Seite war die perfekte Illustration, die an die heilige Lioba erinnert und zum nächsten Thema überleitet:

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Oswald sang zur Laute und klagte auch schon wegen des Geldes, etwa 1431 auf dem Reichstag zu Nürnberg:

Damit man um sein Geld sich bring
und dieses dann auch wohlgeling
man frag den weg nach Überling
da kosten vierzehn pfifferling
fünfzehn schilling
wie sie’s zu Konstanz schlagen.

Für sechzehn Heller gibt’s ein ei
für zweiunddreißig driegst du zwei
wenig fleisch viel kraut dabei
aus kleiner schüssel, viel gschrei
zu mancherlei
und hungrig ist sein magen.

_dsc1588Ein wassermüsli aus der pfann‘
die braten karg bemessen
wildbret und fisch die sind im bann
das solltet ihr nicht essen
damit genug, erhebt euch dann
ihr seid zu lang gesessen
zwei groschen macht’s für jedermann
das dürft ihr nicht vergessen
jetzt aufgegessen

Nihct länger ich drum bitten mag
nun solltet ihr euch trollen
da gibt es jetzt kein wenn und frag
ich könnte euch sonst grollen
laßt die mäuse aus dem sack
das geld laßt rüberrollen
zahlt und haut ab sonst ich euch schlag
tut ihr’s nicht anders wollen
mit einer rollen (Kelle).

40 Jahre später, 1472, wird die Banca Monte Paschi dei Siena gegründet – die älteste Bank der Welt, die vor Jahresende fast neun Milliarden Euro benötigte. Das Geld ist allmächtig. Es ist neben der Energie der Hauptmotor der Konsumgesellschaft, und es ist schwer, sich eine Welt ohne Geld vorzustellen.

Monte Paschi di Siena: dunkle Geschäfte, faule Kredite, versickerte Gelder

Monte Paschi di Siena: dunkle Geschäfte, faule Kredite, versickerte Gelder (Bild: Karl Heinz Renner – wie auch das obige: Schweinernes auf dem Markt von Siena, 2013)

Geld, die Energie, die Unterhaltungsbranche, Kommunikation, das Fußballspiel – alle diesen Mittel, unser Leben besser und schöner  zu gestalteten, wuchsen sich im Handumdrehen zu Kraken aus, die eigenständig agieren und unserem Dasein Sinn verleihen wollen. Das Mittel schwingt sich zum Zweck auf, zum Selbstzweck. Den meisten wird es egal sein; ihnen reicht es, wenn ihnen ihr Metier ein gesundes Einkommen verleiht.

dscn2007Aber dieses Gelduniversum da draußen … 320 Milliarden Euro sind nach Griechenland gewandert (und werden nicht mehr zurückkommen), mit 240 bis 260 Milliarden wurden von 2010 bis heute deutsche notleidende Banken gerettet, da fragt man sich, wie lange geht das gut? Im Jahr 2000 legte der Dax eine Talfahrt hin, das war die Dotcom-Blase, 2007 platzte die amerikanische Immobilien-Blase, und um diesen Kontinent in den Abgrund zu ziehen, hätte das (absurd verschuldete und kriselnde) Italien Gewicht genug. (Illustration: der EZB-Tower)

Die Zeitungen leisten sich ja die Rubriken Politik, Lokales, Kultur, Sport und Wirtschaft. Seien wir ehrlich: Es ist eh alles Wirtschaft. Es geht ums Geld, und heute ging’s darum ausnahmsweise auch auf manipogo. Im Jenseits spielt Geld keine Rolle. Gibt’s nicht. Versprochen.

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