Rohrohrzucker aus Kuba

Ich wollte die leere Zuckertüte gerade wegwerfen, da fiel mein Blick auf den Text der Rückseite. »Wir haben von den Prämienzahlungen  Arbeitskleidung kaufen können und Fahrräder angeschafft, um die langen Wege zu den Feldern zu verkürzen«, sagt da der Präsident der kubanischen Kooperative Pita. Ich helfe mit!

Dieses Kilo Rohrohrzucker aus Kuba kostet im Heitersheimer »Lädele« 4,50 Euro, also sicher das Doppelte, was ein Südzucker-Kilo kostet. Damit aber bin ich daran beteiligt, dass sich arme Kubaner Fahrräder kaufen können ― möglich machen das die Zahlungen aus dem Fairen Handel. Zum Glück gibt es solche Angebote nun auch schon im Edeka: Zucker aus Äthiopien etwa. »Unser Partner ist die Zuckerfabrik Carlos Baliño in der Provinz Santa Clara. Seit dem Jahr 2000 wird hier Bio-Zucker verarbeitet. Das frische Zuckerrohr für die Produktion wird von vier Kooperativen geliefert. Eine von ihnen ist Pita.« Erst seit Präsident Obamas Initiative und Besuch auf der Insel vor einem Jahr ist dieser Zucker hier bei uns im Handel.

Unser Besuch auf Kuba war im Jahr 2002. Damals meinte Giovanna, es werde bald soweit sein, Kuba werde sich öffnen können. Es hat dann doch noch 15 Jahre gedauert. Aber seit vier Jahren dürfen die Kubaner reisen. Rohrohrzucker aus Kuba … Ich finde, man kauft immer eine Idee mit, einen Gedanken, und es gefällt mir, Zucker aus Kuba in den Kaffee zu tun. »All day I wish I was in Cas-en-Bas«, schreibt Derek Walcott, der Dichter aus der Karibik, »passing incongruous cactus which grows in the north / in the chasm-deep ruts of the dry season / with the thunderous white horses that dissolve in froth.«

kuba2Da möchte man gleich dichten. Die höllisch erotische Atmosphäre in Santiago, die Gegend ums Hotel in Havanna und viel Musik sind in meinen Erinnerungen. Musik, klar: Da war ein Pianist in der Bar im zehnten Stock des Hotels in Santiago, und ein Alter spielte in einer anderen Hotelhalle, wo ich später draußen saß mit Rum und Pfeife, und eine Amerikanerin kam vorbei und kommentierte: »Der genießt das richtig!« Außerhalb einer Kathedrale hörten wir plötzlich Hämmern und Lärmen aus einer Fabrik, das sich zu einem eigenen Rhythmus irjendwogestaltete, wie man es vielleicht aus dem Film Dancer in the Dark von Lars von Trier kennt (die Szene mit Cathérine Deneuve in der Fabrik, als das Klappern und Dröhnen der Maschinen zu einem Sound wird). Und dann die Stunden am Strand, kleine durchsichtige Krebse rannten vorbei an uns, wir waren beschützt von Wäldern von Sanseverien, und ein paar Schößlinge haben wir mitgenommen.

Wenn ich um mich blicke, sehe ich, wie sehr sie sich in 15 Jahren vermehrt haben. Sanseverien heißen auch Bogenhanf, und von ihm habe ich schätzungsweise 30 Blätter, die jedoch in die Höhe ragende feste grüne Standbilder sind. Bis zu zwei Meter hoch werden sie, bis sie meist abknicken. Im Internet fand ich einen Bericht über einen indischen Geschäftsmann, der darauf schwört, dass die Pflanzen die Luft reinigen. Die Sanseveria trifasciata wandelt vor allem nachts Kohlendioxid in Sauerstoff um und werde daher als Schlafzimmerpflanze bezeichnet. Zur Produktion des Sauerstoffbedarfs eines Menschen genügten sieben hüfthohe Sanseverien. Man solle die Blätter regelmäßig abstauben.

Hab ich gleich gemacht. Hier im manipogo-Atelier herrscht ja jeden Abend dicke Luft, weil der Autor Pfeife raucht (aber Havannas kennt er auch) . Stört die Sanseverien nicht besonders, sie kommen ja von der Insel Kuba und sind mit ihren Kollegen, den Tabakpflanzen, gut befreundet.

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