Rabad von Posquières

Ja, Wikipedia verdanke ich die Information, dass das mittelalterliche Posquières  seit dem 14. Jahrhundert Vauvert heißt. Dorthin bin ich auf meiner 11-tägigen Provençe-Reise Anfang März gefahren, weil dort 100 Jahre lang (von 1150 bis 1250) eine berühmte Kabbala-Schule existierte, eine Jeschiwa, gegründet von Rabbi Abraham ben David (1125-1198), genannt Rabad III.   

Eigenartig, in der Nacht vor meiner Fahrt dorthin träumte ich in Pont St. Esprit von einer Versammlung alter jüdischer Kabbalisten, und ich weiß nur, das Moses Nachmanides (1194-1270) dabei war, der Rabad immer sehr gelobt hat. Vauvert ist ein hässlicher, unbedeutender Ort mit 11.000 Einwohnern, aber eine Rue des Juifs gibt es dort (die Judenstraße) und eine Place Rabad de Posquières. Mehr konnte man sich nicht erwarten, ist ja schon lange her. Es gab um 1100 einen christlichen und einen jüdischen Bezirk.

Die Judenstraße von Vauvert

Die Judenstraße von Vauvert

Da blühte ein Baum zwischen zwei Gassen - wunderschön!

Da blühte ein Baum zwischen zwei Gassen – wunderschön!

Dann sah ich genauer hin - und entdeckte das Schild. Der Platz war dem Rabad gewidmet!

Dann sah ich genauer hin – und entdeckte das Schild. Der Platz war dem Rabad gewidmet!

 

055Rabad war durch den Textilienhandel reich geworden und konnte seine armen Schüler unterstützen. Sein Sohn Isaak der Blinde führte die Schule fort und schrieb bedeutende Werke über die Kabbala, und Rabads Neffe Acher ben David brachte die Erkenntnisse hinüber nach Gerona und ganz Katalonien. Mit ihm verschwand dann um 1250 die Schule von Posquières, die 100 Jahre lang die provençalische Kabbala repräsentierte, und Nachmanides, Mosche de Leon und Abraham Abulafia setzten im 13. Jahrhundert die Arbeit in Spanien fort.

056Wen sollte das heute noch interessieren? Ich muss aber davon sprechen und kann nicht anders, das Kabbala-Fieber hat mich erfasst, und in Posquières die letzten Kapitel von Sha’are Ora von Joseph Gikatilla zu lesen, ein Buch von 1270, fühlte sich erhebend an.  Und dann hatte ich im Hotel Lys d’Or (Gold-Lilie, passend zu Sha’are Ora, die Tore des Lichts: Gold und Licht sind verwandt) noch das Zimmer mit der Nummer zehn, die Zahl der Sefiroth. Am Treppenaufgang erwartete mich ein Elefant, dessen Umfeld beständig die Farbe änderte, es war hypnotisch.

An einem Tag bin ich bei heftigem Wind die 15 Kilometer nach Lunel geradelt, wo der Mystiker Rabbi Jacob der Naziriter 1170 einen visionären Besuch des Propheten Elijah hatte, der zuvor Rabad besucht hatte. Rabad führte Jacob in die Kabbala ein, wird wohl die 15 Kilometer mit dem Maultier dorthin geritten sein. Ich aß ein paar Kleinigkeiten bei einem Algerier, der gut drauf war und verzückt »Lunel« sagte: Hier sei es schön, hier seien so viele Araber. Man fühlt sich tatsächlich wie in einem Viertel von Marrakesch.

Die Altstadt von Lunel

Die Altstadt von Lunel

Vielleicht lebte Jacob der Naziriter hinter diesem Durchgang

Vielleicht lebte Jacob der Naziriter hinter diesem Durchgang

Oder in dieser Gasse?

Oder in dieser Gasse?

Eigentlich interessieren mich nur die mystischen Strömungen der Religionen, wie sie die Sufis, die Kabbalisten und die christlichen Schwärmer vertraten. Es geht darum, die göttliche Kraft nach hier unten zu geleiten und in ihr aufzugehen. Das ist heute genausogut möglich wie im Jahr 1200. Rabbi Joseph Gikatilla ist übrigens der Meinung, ein Kabbalist müsse eine Frau haben; wenn nicht, sei das nicht TOV (nicht gut). Darum muss ich mich dieses Jahr kümmern. Daran führt kein Weg vorbei.

 

 

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