Ein Erinnerungstag

Am elften elften um elf Uhr war endlich alles vorbei. (Für andere fängt um elf Uhr elf etwas an, die fünfte Jahreszeit, aber die lassen wir heute einmal beseite.) Morgens um 5.20 Uhr war an jenem Tag im Jahr 1918 der Waffenstillstand unterzeichnet worden, und um elf Uhr exakt endete offiziell der Erste Weltkrieg. Deshalb ist der heutige Tag in Frankreich, Belgien und auch in Polen ein Feiertag. Im Commonwealth ist es der Remembrance Day, der Tag der Erinnerung. 

Ganz ehrlich: Vor einer Stunde (da ich das schreibe/schrieb, 2. November, 22.00 Uhr) hatte ich das noch nicht gewusst. Ich hatte die ersten Seiten des Buchs Seven Steps to Eternity (2000) des englischen Mediums und Heilers Stephen Turoff lesen wollen, um zu wissen, worum es darin ginge; und dann wollte ich Beiträge für manipogo verfassen. Turoff berichtet gleich von einem Vortrag, den er am Remembrance Day hielt; und da schaute ich nach, was dieser Tag ist. 
(Bild rechts: Eine Stele in Mons, Belgien. Am Waffenstillstandstag zogen die Kanadier nach 80-stündigen heftigen Kämpfen in die Stadt ein. Die letzte Schlacht für Briten und Kanadier im Ersten Weltkrieg war zuende.)  
 

Und dann war der Beitrag klar. So nebenbei hatte er sich vorgestellt und gesagt: Schreib mich! Turoff sah bei seinem Vortrag mit seinem geistigen Auge einen jungen Mann, der im Ersten Weltkrieg gestorben war und ihm den Vorschlag unterbreitete, ihm ein Buch zu diktieren: über seinen Weg nach dem Tod und im Jenseits. James Leggett hieß er. Er war 1916, mit 20 Jahren, bei einer Schlacht an der Somme durch einen Granatsplitter in der Brust verwundet worden.  

Er wand sich vor Schmerzen, bemerkte eine Schnur, die ihn irgendwie festhielt, und dann kamen Sanitäter und sagten: »He’s gone, poor fellow.« Er war also tot. Mit einem anderen ging er, befreit, im Nebel dahin und stieß auf einen Hauptmann mit Licht, der sie anwies, ihm zu folgen. So gelangten sie in eine Halle mit hunderten anderen Soldaten, und ein Offizier namens March erklärte, sie seien alle gestorben und befänden sich in der unteren Astralebene. Er sagte: »Was ihr Tod nennt, ist nur eine Ortsveränderung.« Es ging also weiter.  

Das steht auf Seite 9. Ich werde James’ Weg durch die Ebenen im Jenseits  verfolgen. Auf dem Titelbild des Buchs findet man ein Spinnennetz und eine rote Mohnblume, englisch poppy. Eine rote Remembrance poppy ist auch die Symbolblume des Erinnerungstags. Ich hatte vor zwei Jahren an einem Strand in Dänemark eine rote Mohnblume fotografiert (siehe unten), und sie kam mir vor wie das Zeichen des Lebens. Ich legte das Bild in meinem Ordner »Jenseits« ab und lag damit anscheinend richtig. 

Remembrance poppy, Insel Moen (Dänemark)

Dieses Jahr im Mai war ich ja an der Somme vorbeigekommen, und in Mons (Belgien) fuhr ich aus der Innenstadt mit dem Rad die fünf Kilometer hinaus zum Soldatenfriedhof, dem deutschen. Die fürchterlichen Schlachten des Ersten Weltkriegs sind da noch präsent. Man fährt an vielen Soldatenfriedhöfen vorüber. Von vielen Frankreich-Urlauben weiß man noch, dass dort fast jedes Dorf sein Mahnmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg hat.  

Deutscher Soldatenfriedhof, Mons (Belgien)

In Deutschland wird der Toten der Weltkriege am Volkstrauertag gedacht, diesmal am 18. November. Es gibt bei uns nicht so viele Kriegs-Mahnmale wie in anderen Ländern. Ich weiß nicht genau, warum das so ist. Man hat das Gefühl, in Deutschland möchte man viele Dinge gern möglichst rasch vergessen (wozu aller Grund besteht). Die Berliner Mauer hat man auch schnell weggemacht. Leute, wir haben uns geirrt, aber nun lasst uns wieder weiterarbeiten!

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