Paracelsus

Paracelsus ist eine große Gestalt der Medizingeschichte an der Schwelle des Mittelalters zur Neuzeit. Er schrieb viele Bücher, wanderte durch viele Länder und machte sich viele Ärzte zu Feinden, weil er ein Heiler war und eigene Wege ging.

paracDarum las ich rasch Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe von Franziskus Kerssenbrock (2005). Er zeichnet den Weg von Theophrastus Bombast von Hohenheim von der Geburt 1493 in Einsiedeln in der Schweiz (in den Bergen südlich vom Zürisee) bin zum Tod 1541 in Salzburg nach. Da gibt es verwirrend viele Stationen. Paracelsus (woher der Name kommt, ist unklar) will durch ganz Europa gewandert sein und kam durch viele Städte südlich des Mains. »Will einer viel Krankheiten erkennen, so wandert er auch. Wandert er weit, so erfährt er viel und lernt viel erkennen«, schrieb er. Paracelsus setzte sich mit weisen Frauen, Magiern und Volksheilern auseinander.

Der begabte junge Mann studierte in Ferrara, heimste erste Erfolge ein und wurde 1527 als Stadtarzt nach Basel berufen. Er lehrte an der Universität und verbrannte öffentlich die Werke des antiken Mediziners Galen auf dem Marktplatz. Aber ein Jahr später war Paracelsus schon wieder auf Tour. Immer wieder beschimpfte er Kollegen als unfähig, während er vor Selbstbewusstsein geradezu strotzte. Und prompt verlor er stets durch Intrigen seine Gönner und seinen Posten. (Illustration: das einzige Bild von ihm, ein Stich von 1538, kurz vor seinem Tod. Abbildung aus dem genannten Band)

So ging es ihm in Nürnberg, in Straßburg, in Ulm und in St. Gallen, wo er sich 1531 aufhielt. Oft wurde er zu prominenten Kranken gerufen, die er auch heilen konnte. Am Ende jedoch hatte er keine Kraft mehr. Man meint, er sei in Salzburg einem Mordanschlag zum Opfer gefallen; der Besitzer eines Gasthauses in Einsiedeln in der Nähe von Paracelsus‘ Geburtsort sprach von einer Obduktion, die dies nachgewiesen habe.

Ein angenehmer Mensch war Paracelsus nicht. Er ging keinem Streit aus dem Weg, hielt aufrührerische Reden und schrieb eine große Zahl Bücher, auch wenn sein Stil zu wünschen übrig ließ. Er soll oft betrunken gewesen sein. Er kehrte heim, legte sich aufs Ohr, ohne sich auszukleiden, und dann schrieb er wieder. Frauen interessierten ihn nicht. Er heilte, dachte nach, stritt sich mit anderen herum und schrieb. Er schrieb auf Deutsch, was zu Bestsellern führte, denn ärztliche Literatur wurde gemeinhin auf Latein verfasst. Es interessierten ihn die Syphillis, die damals grassierte, und die Krankheiten der Bergleute.

DSCN3475Die Krankheit solle führen, nicht die Arznei, schrieb er etwa. Er wollte der Natur Raum lassen, statt zu sehr einzugreifen. Lieber abwarten und die Krankheit sprechen lassen, als zu schnell operieren. Die Liebe sei die größte Arznei, und gleich danach komme der Glaube. Eine optimistische Atmosphäre im Haus des Kranken hielt er für absolut wichtig. Heilen könne der Arzt nur, wenn es ihm Gott ermögliche.

Der Glaube sei wichtig. Jedes Ding habe seinen spiritus, und der Mensch habe zwei verschiedene Leiber, den bekannten und einen spirituellen. Von Alchemie verstand Paracelsus viel, die Astrologie war ihm vertraut, aber immer legt er Gespür und gesunden Menschenverstand an den Tag. Mit einem Bein im Mittelalter, ließ er sich dennoch nicht auf unüberprüfbare Hypothesen ein. Er sah klar. Die Bergleute wurden durch Gifte krank, nicht weil es Gott wollte, und überhaupt: »Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.« Die Dosis macht die Wirkung.

Paracelsus ließ der Magie ihre Möglichkeiten, stellte den Kranken in den Mittelpunkt, wandte sich von versteinerten Ansichten ab und kann so als Leitbild eines Arztes gelten, der, wie er selber es wollte, hingebungsvoll war, demütig, keusch und gutherzig.

Doch er erklärte auch: »Der Mensch ist zum Umfallen geboren.« Seinen Meister habe der Mediziner im Tod. Tabus kannte Theophrastus nicht, und gerade weil er Einzelgänger und Befehdeter war, konnte er neu und frisch denken. Darum auch ist Paracelsus nie vergessen worden und steht in seiner Zeit gleich neben Luther und Dürer. Man sollte seine Werke wieder lesen.

 

 

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