Kunst heilt

Kunst heilt, meint Alejandro Jodorowsky. Der wahre Heiler müsse ein Künstler sein. Ärzte spielten ja früher gern Geige oder Klavier. Auch Rolf Hannes hat früher als Künstler therapeutisch gewirkt und sagt: Kunst befreit.

Jodorowsky:

Ich glaube, dass alle menschlichen Wesen sich jeden Tag der Aufgabe widmen sollten, eine halbe Stunde Poesie zu schreiben, ohne darüber nachzudenken, ob ihr Schreiben gut oder schlecht ist oder ob es kommerziell erfolgreich ist. Poesie als Konstante im Leben reinigt das Ego. Jeden Tag sollten wir zudem eine freiheitliche Handlung ausführen, die anderen dient, etwa einem Kind Schokolade zu geben, einfache Dinge. …. Dieser Raum ist voller Dankeskarten, auf denen ich gefragt werden, was ich als Gegenleistung für die Hilfe; die ich gab, annehmen würde. Meine Antwort ist: nichts, weil ich einfach so helfe. Ich tue all das mit der Zeit, die ich für andere erübrige.

Der Interviewer fragte, in welchem Sinn Kunst heilt.

Kunst heilt, weil wir uns davon heilen müssen, nicht wir selbst zu sein, nicht in der Gegenwart zu sein. Es gibt einen chassidischen Spruch, der besagt: »Wenn du nicht du bist, wer dann? Wenn das nicht das Hier ist, welches Wo ist das? Wenn es nicht Jetzt ist, welches Wann ist das?« Wenn du in der Lage bist, das Wann, Hier und Wer (das Du) herauszufinden, bist du du selbst, und du hast dich schon geheilt.     

Kunst zu schaffen hieße also, sich selbst zu kennen.

Ja, aber sich selbst zu kennen heißt, die Menschheit und das Universum zu kennen. Es bedeutet, vom Singular zum Plural überzugehen. Ich denke, dass das Bedürfnis nach Heilung durch ein fehlendes Anwesendsein entsteht. Wir werden krank, weil wir unsere Bindungen an die Welt gekappt haben. Krankheit ist fehlende Schönheit, und Schönheit ist die Vereinigung. Krankheit ist ein Fehlen von Hiersein, und Hiersein ist die Vereinigung zwischen einem selbst und dem Universum.Das Schwierigste in der Welt ist es, erhabene Kunst zu schaffen.  

Was bedeutet es, man selbst zu sein? Können wir je wissen, wer wir sind?

Sich selbst zu kennen bedeutet in Wirklichkeit, dass du das Universum bist. Ich habe keine Grenzen, weil ich mit dem Universum wie ein Organismus verbunden bin: Die Zeit ist mein Leben, was geschieht, ist mein Leben und ist Leben. Wenn ich mich selbst kenne, bin ich der Schauspieler und der Zuschauer: der Gewusste und der Wissende zur selben Zeit. Bis zu einem bestimmten Punkt kann ich mich vom Schauspieler zum Zuschauer bewegen, aber es gibt einen grandiosen Moment, in dem Schauspieler und Zuschauer verschmelzen. Das ist nicht zur Wissen; es ist reines Bewusstsein, ein Zustand des Wissens.   

(Alejandro Jodorowska, Psychomagic. The Transformative Po0wer of Shamanic Psychotherapy. Rochester: Inner Traditions, 2010. S. 175-177; S. 217)

 

Ein Kommentar zu “Kunst heilt”

  1. Marianne Raffler

    Hei Mani,

    hab deine neuesten Einträge gelesen. Schön zu wissen, dass es dich noch gibt, – da ich auf meine SMS an dich – keinerlei Antworten erhielt.
    Ich bin diesen Sommer viel mit dem E-Bike unterwegs gewesen, teils größere Touren mit dem ADFC, teils privat oder auch alleine. Macht mir viel Freude.
    Hoffe, es geht dir gut – lass doch mal wieder was von dir hören!

    Herzliche Grüße
    Marianne

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