Tutti ar mare?

Am Sonntag ist Bundestagswahl, liebe Bürgerinnen und Bürger. Dazu meint manipogo: Geht ruhig hin. Massenhaft. Wählt die kleine
Partei, die ein Grundeinkommen will, wählt grün oder links, aber nicht die Tierschutzparteien oder die großen Parteien. Oder geht einfach nicht hin. In Italien hieß der diesbezügliche Slogan: tutti ar mare! (Das ist Romanesco, al mare heißt es korrekt.) Boykottiert die Wahl. Leider ist bei uns das Meer so weit weg.  Der Kalif hieß der Beitrag, in dem über das Land im Jahr 2013 gesprochen wurde. Damals war das Ausmaß des Kohlendioxid-Eintrags in die Atmosphäre, der Wärmezuwachs, die mögliche Klimakatastrophe noch nicht bekannt. Nun kann man die Augen davor nicht mehr verschließen, finde ich. Im Wahlkampf haben das nur die Grünen thematisiert, die müssen das. Ich glaube, im Duell zwischen Merkel und Schulz spielte das keine Rolle. Ein Bekannter hat Schulz in Freiburg erlebt. Kein Wort zum Umweltschutz. Das Thema hat die SPD anscheinend outgesourct, den Grünen überlassen. Das große Problem ist die Wirtschaftshörigkeit der Politik. Der vorauseilende Gehorsam. Die Regierung ist paralysiert und wie hypnotisiert. Es war ein langweiliger Wahlkampf im Zeichen der konservativen Rückschwungs der vergangenen Jahre.

Auf einem Wahlplakat will die CDU Sicherheit und Ordnung, o Gott, das ist fünfziger Jahre. Wir sollen in unserem Land gut und gerne leben wollen. Das ist der Triumph des Egoismus. Wer Augen hat zu sehen, sieht Verwerfungen, Brüche, Krisen und Menetekel. Wer das nicht sehen will, steckt den Kopf in den Sand und wählt CDU/SPD. Damit geht alles wieder so weiter. Noch einmal Italien: Für dieses Land und Europa müsste man die vergangenen zehn Jahre als anni di piombo charakterisieren, bleierne Jahre, die an der Oberfläche freilich von sinnlosem Aktionismus und brachialer Dynamik gekennzeichnet waren.

Was müsste geschehen? Man müsste erst einmal auf europäischer Ebene die Billigflüge verbieten. Es ist ein Unding, für 10 Euro von Rom nach Brüssel und für 4 nach London zu fliegen. Das muss aufhören. Alle Autos, die schwerer sind als eine Tonne, müssten stark besteuert werden. Strafzölle für Plastik-Importe aus China, überhaupt: Kampf gegen die Plastikindustrie! Die Frauenquote für die Kader in der Wirtschaft einführen. Die Banken an die Kandare nehmen. Die großen Konzerne müssen ihre Steuern bezahlen. Der Arzt muss für die Zeit bezahlt werden, die er dem Patienten widmet. Weg mit den Fallpauschalen in Krankenhäusern. Die Komplementärmedizin muss gefördert werden.

Es sollte nicht nur einen Mindestlohn, sondern ein Grundeinkommen und auch eine Mindestrente geben, die bei 700 Euro läge. Da springt der Staat ein. Abschaffen müsste man die Zwangsabgabe an die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Die Medien sind nicht mehr die vierte Gewalt. Auch sie haben sich aufgegeben. Einen gemeinsamen spirit schafft man nicht von heute auf morgen. Doch die Tatsache, dass es nicht mehr um uns geht, sondern um das Überleben unser Spezies, muss verankert werden. Einmal wird man sagen: Ihr wusstet es und habt nichts gemacht. Ihr wollet schön Audi und Mercedes fahren und meintet: nach euch die Sintflut.

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