Göttinnen

Mir ist der Feminismus sympathisch. Die Quote für Frauen im Management sollte es geben. Kürzlich fiel mir wieder die Exegese der christlichen Gebote in Luisa Francias Buch Eine Göttin für jeden Tag ein. Es ist von 1996, noch nicht so alt.

Die Grundfesten des Patriarchats seien, schreibt Frau Francia, monotheistische Religionen mit einem unfehlbaren männlichen Gott sowie der Privatbesitz, zu dem die Familie gehöre.

Das erste Gebot (Du sollst keine anderen Götter neben mir haben) sei nicht von Gott, der habe das nicht nötig. Es heißt: »Ich, der Mann, bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Männer, also Götter  neben mir haben. Ich möchte die Unterwerfng, und wer sich nicht beugt, den breche ich. Das steckt dahinter.«

Du sollst nicht töten gelte nicht im Krieg, Soldaten sei es erlaubt, den Feind niederzumetzeln und die Lebendigen zu töten.

Wer sagen könne: Du sollst nicht stehlen, »muss vorher gesagt haben: Dies alles ist mein. Wer aber das sagt, hat schon gestohlen und sichert sich mit diesem Gebot nur gegen Gleichgesinnte ab, die auf die gleiche Idee kommen könnten.« Ist es nicht absurd, dass Land einem Menschen gehören soll, der es gegen teures Geld weiterverkauft?

S. 51Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Hof, Weib …  Das sei der klassische Ur-Patriarch. »Mit Gesetz nimmt er sich Land und Frau … Dann bestimmt er die neuen Besitzregelungen und schüchtert die anderen Patriarchen ein, die auf seine Beute aus sind.« In einer siebentausend Jahre alten matriarchalen Siedlung seien keinerlei Waffen oder Befestigungen gefunden worden, sagt uns Frau Francia. Während sich das Patriarchat »mit Gewalt, mit Waffen, mit Kriegen und mit religiösen Gesetzen« seinen Weg bahnte.

Du sollst Vater und Mutter ehren. Hier wird »die Familie auf den Thron gehoben, denn sie ist die Grundfeste patriarchaler Macht. … Die mythische Überhöhung des Gottes des männlichen Helden, des Kriegers, des Königs, des Herrschers, des Vaters diente der männlichen Macht und war eines der Hauptinstrumente im Krieg gegen die Frauen.« Die psychiatrischen Kliniken seien »ursprünglich zur Niederwerfung der Frauen und ihrer Macht erfunden worden«.

Luisa Francia, 1949 geboren, die sich eine moderne Hexe nennt, hat für ihr Buch 365 Göttinnen der Vergessenheit entrissen und jeder einen Tag zugeteilt. »Die Namen der Göttinnen und Ahninnen, der Dämoninnen und Feen sind unsere Geschichte, sind die Facetten weiblicher Eigenschaften und Fähigkeiten. … Indem wir sie benennen, schreiben wir die ununterbrochene Geschichte weiblicher Macht neu und holen sie uns zurück.«

Das tat auch das religiöse Volk, indem es Maria verehrte, auch in der Variante schwarze Madonna. Die Amtskirche beugte sich dieser Verehrung und gab Maria einen besonderen Rang, gestattete ihr die Himmelfahrt. Das war der Erfolg einer feministischen Bewegung von unten.

Illustration von Rolf Hannes

 

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