Lucio Dalla 75 … und Wahlen in Italien

Heute würde Lucio Dalla seinen 75. Geburtstag feern, hätte ihn nicht vor 6 Jahren (exakt an diesem Datum) in Montreux ein tödlicher Infarkt niedergestreckt. Und es sind Parlamentswahlen in Italien. Ich versuche eimal, die Lage zu schildern, die so verworren ist, wie sie es immer war.  

Es gibt Leute, die haben nie von Lucio Dalla gehört, einem der besten Cantautori seines Landes.  Er hat uns so viele Emotionen geschenkt. Immer wieder habe ich geschildert, wie ich, gerade abgestiegen in einem Hotel in der Mancha in Spanien,  Giovannas Anruf erhielt: Dalla ist gestorben, sagte sie. Einer meiner Beiträge heißt auch Lucio Dalla (von 2014), und einen schrieb ich zwei Jahre später, als Umberto Eco von uns gegangen war.  Bologna – verwaist, titelte ich; die Linke – verarmt.

Nun also die Wahlen: an Lucios Geburtstag. Er war aus Bologna und ein eingeschworener Linker, hätte immer zu Matteo Renzi gehalten. Der andere große Linke ist natürlich Regisseur Nanni Moretti aus Rom. Er war die Hauptperson meines Beitrags vom April 2006 (Aprile), als wiederum eine historische Wahl zwischen Rechts und Links anstand. Was danach kam , weiß ich nicht mehr genau. Ein paar Namen sind da: Mario Monti, Matteo Renzi, Gentiloni. »Zweitausendsechs«, sagte mir 2012 ein Mann, »ach, da konnte man noch wunderbar leben in Italien.«

Der Himmel über Rom

Der Himmel über Rom

Die Lage vor der Wahl

Wie ist die Ausgangslage? Versuchen wir es. Da gibt es einen starken rechten Block, vertreten durch eine »unheilige« Allianz des alten Berlusconi mit Matteo Salvini (einem  Scharfmacher aus dem Nordosten, wie früher Umberto Bossi einer war) und Giorgia Meloni (Alibifrau und Randfigur mit ihrem Klub Fratelli d’Italia). In Italien gibt es ein neues Wahlrecht, man muss also über 40 Prozent kriegen, um regieren zu dürfen. Wäre übel, wenn die Rechten das schaffen würden.

Die zweite Kraft ist Movimento Cinque Stelle. Die fünf Sterne punkten, indem sie gegen alles sind; sie verkaufen sich als die »anderen« Politiker. Der Komiker Beppe Grillo hat sie zum Erfolg geführt, aber sie streiten sich untereinander wie die Wilden, etwa wie de deutsche AfD. Sie sind für 30 Prozent gut.

Noch mehr aber streiten die Linken untereinander. Wir kennen das von unserer SPD: Sie sind ihre eigenen Gegner und demontieren mit Lust und Freude am Untergang ihre besten Genossen. Matteo Renzi war ein neuer Mann mit Führungsqualitäten, aber er überschätzte sich und wurde von seinen Kolleginnen und Kollegen zerschossen. Wenn die Linke (PD oder Partito democratico ist das Zugpferd) auf 20 Peozent käme, wäre das ein Erfolg. Erinnert an die SPD.

022

O Italien!

Die Misere Italiens ist alt. Schon Dante Alighieri schrieb um 1300 in seiner Göttlichen Komödie (und das wird oft zitiert):

Ahi serva Italia, di dolore ostello
nave senza nocchiere in gran tempesta,
non donna di provincia, ma bordello!

O Italien, Herberge der Schmerzen, Schiff ohne Steuermann im Sturm, du bist nicht Chefin von Provinzen, sondern ein Ort der Korruption, heißt das. Italien wurde ja erst 1861 geeint, es ist ein junges Land. Kurz vorher, 1818, dichtete Giacomo Leopardi aus Recanati:

O patria mia, veco le mura e gli archi
e le colonne e i simulacri e l’erme
torri degli avi nostri,
ma la gloria non vedo …

O mein Vaterland, ich sehe die Mauern und die Arkaden und die Säulen und die Statuen und die Türme unserer Vorväter, aber den Ruhm sehe ich nicht … Und diese Klage gilt noch heute. Die große Geschichte und der elende Kleinkrieg der jämmerlichen Politiker mit ihrem Egoismus! Dieses Land sei nicht zu retten, sagen viele, aber es hätte die Rettung und Erlösung verdient, denn es ist ein schönes Land mit (weitgehend) toleranten, herzlichen Bürgern. O patria mia!

 

 

 

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