Z’Friburg in der Stadt

Kürzlich las ich einigen Bewohnern meines Heims Gedichte von Johann Peter Hebel (1760-1826) vor, und ich gab mir Mühe, das Alemannische gut auszusprechen. Hebel war der bekannteste badische Dichter und wurde auch von Goethe geschätzt. Kurz etwas aus seinem Leben, dann noch ein schönes Gedicht.

Johann Peter Hebel kam am 10. Mai 1760 in Basel zur Welt, verlor früh seine Eltern, ging in Karlsruhe aufs Gymnasium und wurde dort auch zum Lehrer ernannt, außerdem wurde er Prediger und Hofdiakon. Hebel war Botaniker und Mineraloge und tat sich gern in seiner geliebten Landschaft zwischen Basel und Freiburg um. 1803 erschienen zum ersten Mal seine Allemannischen Gedichte, 32 an der Zahl, und Jean Paul hat sie ebenso gewürdigt wie Goethe. Dass ich noch nichts über Jean Paul geschrieben habe, eine Schande! Und dass ich nur wenig über die badische Landschaft schrieb … aber ich bin Bayer, bin irgendwie dazu nicht befugt.

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Im Oktober 1815 trafen sich Goethe und Hebel in Karlsruhe, am Abend musste er seine Gedichte vortragen,und er übersetzte für seine niedersächsische Gastgeberin jeden Vers ins Hochdeutsche! Jacob Grimm erzählte, er sei mit Hebel in dessen Stube umhergegangen, »eine halbe Stunde, die Pfeife rauchend«. 1820 kam es zu einer Neuauflage des Gedichtbands. Johann Peter Hebel war ein paar Jahre auch Herausgeber des Schatzkästleins des Rheinischen Hausfreundes, und manche Kalenderblätter zeigen ihn als Meister der kleinen Form und sind auch Schullektüre geworden. Hebel lesen!

dreikönig

Manche seiner Zeilen sind sprichwörtlich geworden, etwa Z’Müllen an der Post oder Z’Friburg in der Stadt / sufer ischs und glatt. Das steht in einem Gedicht, das stellvertretend für Hebels Stil hier stehen soll. Er ist gefühlvoll, wie man es damals war, ironisch und auch liebevoll. Wir müssen nicht alles übersetzen, man versteht es: In Müllheim, Staufen und Freiburg ist es schön, es gibt alles, was man braucht; dem Verfasser ist das aber egal, er zieht einen kleinen unbedeutenden Ort im Schwarzwald vor, weil da seine Liebe lebt und auf ihn wartet …

Der Schwarzwälder im Breisgau

Z’Müllen an der Post,
Tausigsappermost!
Trinkt me nit e gute Wi!
Goht er nit wie Baumöhl i,
z’Müllen an der Post.

Z’Bürglen auf der Höh,
nei, was cha me seh!
O, wie wechsle Berg und Thal,
Land und Wasser überal,
z’Bürglen uf der Höh!
Z’Staufen uffem Märt,
hen sie, was me gert,
Tanz und Wi und Lustberkeit,
was eim numme’s Herz erfreut,
z’Staufen uffem Märt.

Z’Friburg in der Stadt
sufer ischs und glatt,
richi Here, Geld und Gut,
Jumpfere wie Milche und Blut,
z’Friburg in der Stadt.

Woni gang und stand,
wärs e lustig Land.
Aber zeig mer, was de witt,
numme näumis findi nit,
in dem schöne Land.

Minen Auge gfallt
Herischried im Wald.
Woni ang, se denki dra
‚s chunnt mer nit uf d’Gegnig a
z’Herischried im Wald.

Imme chleine Huus
wandelt i und us −
gelt, de meinsch, i sader, wer?
‚s isch e Sie, es isch kei Er,
imme chleine Huus.  
 

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