Das Hexlein

Übrigens: Der Beitrag Z’Friburg in der Stadt war der 1500. Artikel auf manipogo! Und er wurde 2.500 Mal angeklickt, der bestgelesene Beitrag im Mai! Hebel wurde also geliebt, der SC Freiburg hat sich vergangenen Samstag den Verbleib in der Ersten Fußball-Liga gesichert, und die Autostadt Wolfsburg muss mit ihrem Verein in die Relegation gegen Kiel, gut! Loben wir weiter Johann Peter Hebel, der die badische Landschaft und die dazugehörige Mundart in die Literatur eingebracht hat; darum ein neues Gedicht!

Ich will es nicht übersetzen, das Alemannische versteht man so leidlich, und es hat Charme. Es geht um eine unglückliche Liebe. Jemand verguckt sich in ein Hexlein und findet keine Ruhe mehr. Klar, dass Jean Paul das gemocht hat, dass Goethe großmütig urteilte (vom Parnass herab) und Schiller nicht viel Verständnis dafür hatte.

Das Hexlein

Und woni uffem Schnid-Stuhl sitz
für Basseltang, und Liechtspöhn schnitz,
se chunnt e Hexli wohlgimuth,
und frogt no frey: »Haut’s Messer gut?«

3b18423rUnd seit mer frey no Gute Tag!
und woni lueg, und woni sag:
»s’chönt besser go, und Große Dank!«
se wird mer’s Herz uf ei mol chrank.

Und uf, und furt enanderno,
und woni lueg, ischs nümme do,
und woni rüef: »Du Hexli he!«
so gits mer scho kei Antwort meh.

Und sieder schmeckt mer’s Esse nit;
stell nummer, was de hesch und witt,
und wenn en anders schlofe cha,
so höri alle Stundi schlah.

Und was i schaff, das g’rothet nit,
und alli Schritt und alli Tritt,
se chunnt mim Sinn das Hexli für,
und was i schwetz, isch hinterfür.

DSCN5474’s isch wohr, es het e Gsichtli gha,
’s verluegti se en Engel dra,
und ’s seit mit so ‚me freie Muth,
so lieb und süß: »Haut’s Messer gut.«

Und leider hani’s ghört und gseh,
und sellemols und nümme mehr.
Dört ischs an Hag und Hurst verbey,
und witers über Stock und Stei.

Wer spöchtete mer mmi Hexli us,
wer zeigt mer siner Mutter Hus?
I lauf no, was i laufe cha,
wer weiß, se trifft’s doch no a!

I lauf no alli Dörfer us,
i such und frog vo Hus zu Hus,
und würd mer nit mi Hexli chund,
se würdi ebe nümme g’sund.

Ich erinnere mich an ein Märchen aus der Bretagne über einen Fischer, der sich verheiraten wollte, aber einer Sirene verfiel (oder einer Nymphe), und dann verschwand er mit seinem Boot und wurde nie mehr gesehen. Er hat sie wohl wiedergetroffen. Übernatürliche Wesen besitzen großen Charme, und sie wollen Sterbliche in ihre Sphäre herüberziehen. Im Tantra sind die Dakinis bekannt, die heiligen Männern folgen, und der Moslem bittet: Herr, schicke mir meine dschinnja, die mich auf allen Wegen begleitet. Die dschinnja ist dein Schutzgeist (eine Frau hat einen männlichen, den dschinn; C. G. Jung wusste das, er sprach vom Animus der Frau und der Anima des Mannes). Andere haben gesagt, dass ein Liebespartner im Geiste, ein Geist, sexuelle Wonnen gewähren kann. Diese Wesen sind oft Teil von uns selbst, sie nähren sich von unserer Substanz, um körperlich handeln zu können, wie das Medium sein Ektoplasma hergeben muss, um Verstorbene »einzukleiden«, sie zu materialisieren, damit man sie umarmen kann.

Ich kann dazu nur sagen, dass ich zwei Mal im Schlaf von einem geisterhaften Wesen angegriffen wurde, das sich an mich drängte, etwas von mir wollte, aber es wirkte auch ungemein aggressiv, ich musste mich wehren, was mir dann leid tat; diese Geister können sich vielleicht nicht kontrollieren und sind allzu hitzig. Aber schön ist es natürlich, aus dem Jenseits (oder einer anderen Dimension) begehrt zu werden.

Illustration oben: The witch’s child. Zeichnung von Frederick S. Church, 1881 (Dank an Library of Congress, Washington D. C.) 

 

 

Ein Kommentar zu “Das Hexlein”

  1. Regina

    … ein herrlich freches Gedicht – sehr schön. Und viele werden bis zum Ende des Lebens verliebt sein und „se würdi ebe nümme g`sund“… Das Leben scheint so zu sein und „nochmal kommen“ mag ich eh nicht! Liebe Grüße Regina

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