Ein wundervolles Erlebnis

Wie schön, dass mir das einfiel! Gladys Osborne Leonard und ihr wundervolles Erlebnis! Hatte ich schon einmal übersetzt für ein geplantes Parapsychologie-Buch, bei dem der Verlag Orange press dann kalte Füße bekam. Es erschien nie. Aber manipogo-Leserinnen und –Leser können sich an dem Stück erfreuen.

Es passt gut für den Ostersonntag, passte aber auch für jeden Tag des Jahres. Die Auferstehung. Die Engländerin Gladys Osborne Leonard (1882-1968) war eines der größten Medien aller Zeiten, über alle Zweifel erhaben. Sie schrieb 1939 ihre Autobiografie The Last Crossing, die man hier sogar kostenlos herunterladen kann (auf Englisch natürlich). Die geschilderte Szene steht auf den Seiten 202-210.

Gladys‘ Ehemann Frederick war im Februar 1935 gestorben, und sie schreibt, sie habe täglich darum gebetet, eines Tages dorthin reisen zu können, wo er sich aufhielte. Wo er sein Leben weiterführte, von ihr getrennt. Einmal nur möge ihr dieses Erlebnis zuteil werden, betete sie. »Die beglückendsten Erfahrungen scheinen uns unvermutet zu überfallen«, räsonnierte sie später.

Es war der 14. September 1935, ein Samstag, ein sonniger Tag. Gladys Osborne Leonard aß eine Kleinigkeit und ging in den Garten, ob da etwas für sie zu tun wäre. Doch irgendwie unbewusst schlug sie den Weg zum Sommerhaus ein. Sie legte die Uhr ihres Mannes ab und sich selbst auf eine Liege. Es war kurz vor drei Uhr. Sie geriet ins Dösen, bleib dabei aber wach, sah den Busch vor der Tür.

Plötzlich kam ein seltsames Gefühl über mich. Ich wusste, dass ich in einer eigenartigen, unerklärlichen Weise reiste, auch wenn ich keinerlei Anstrengung unternahm. Bis heute weiß ich nicht, ob ich durch den Raum glitt oder der Raum durch mich.

Dann kommt sie an. Ein Ort unglaublicher Schönheit.

Ich erreichte einen Ort, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. … Die Schönheit war nicht nur in der Umgebung und der Szuenerie zu sehen; ich fühlte sie. Es war wie ein lebendiger Strom durch mein ganzes Wesen, der mich mit einem Gefühl von absolutem Wohlbefinden, Segen und Sicherheit auflud; ein überwältigendes Gefühl von unbeschreiblicher Seligkeit.

Frau Osborne Leonard lag auf einem Sandstrand. Es schien das Ufer eines Flusses zu sein, der sich in der Ferne ins Meer ergoss. In der Mitte der Wasserfläche war eine kleine Insel mit zwei Steingebäuden von edlem architektonischen Stil. Über all dem hing eine Art glimmender Schein von weichem Gold. Das Blau des Wassers und des Himmels seien unbeschreibbar gewesen, göttlich einfach. Sie liegt also da.

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Dann:

Ohne überrascht zu sein, sah ich, wie mein Ehemann neben mir kniete und mit seinem linken Arm meine Schulter stützte. Ich sah in sein Gesicht und erkannte, dass mein Gebet erhört worden war – vollständig erhört worden war.

Sogar in seinen besten Jahren, in den frühen Jahren unseres irdischen Lebens zusammen, hatte er mich nie so angeschaut wie nun. Er war derselbe, aber es gab Unterschiede. Eine gesunde Bräune lag auf seinem Gesicht und Nacken. Sein Haar war nicht mehr grau, sondern wieder voll, gewellt und hellbraun. Seine Augen leuchteten. Er trug leichte weiße Kleidung, wie sie Männer in den Sommertagen auf der Erde tragen. Er sprach zu mir, über mir lehnend, und schaute mich fest an, als wollte er jede Silbe meinem Gedächtnis für immer einprägen. Ich vergesse seine Worte nie. Sie sind in mich eingegraben.

»Du bist nur kurz hier. Versuche dir alles zu merken, was ich dir sage. Sage allen, die es hören wollen, dass es dieses Andere Leben gibt. Es ist ein wirkliches Leben in einer wirklichen Welt. Es ist eine aktive, interessante Welt. Wir sind glücklich hier. … Gott ist hier. Wir sind ihm näher. Alles, was unsere Religion uns einhämmern wollte, ist falsch. Liebe und Erinnerungen bleiben erhalten. Wir warten auf die, die wir lieben. Ich warte auf dich, aber ich bin glücklich, während ich warte – glücklich und beschäftigt. So viel wäre zu sagen, aber die Zeit ist kurz.

Dieser wunderbare Besuch ist die Antwort auf dein Gebet. Sag es allen. Oh! Wenn sie nur von dem herrlichen Leben wüssten, das ihnen gehören kann, dann würden sie alles in ihrer Macht Stehende tun, dafür bereit zu sein, also sag’s ihnen und vergiss nicht, dass ich hier bin, auf dich warte, und dass ich dich jetzt und für immer liebe.«  

Sie konnte jeden Zug in seinem Gesicht sehen und die Intensität spüren, mit der er sagte:

Wir leben, wir erinnern uns, wir lieben, wir sind glücklich.  

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Sie spürte Dankbarkeit. Es war ein Wunder. Ein himmlisches Gefühl von Wohlbefinden floss durch sie. Als ihr Mann wieder sprechen wollte, tat sie leider, wie sie schreibt, etwas »äußerst Katastrophales und Unglückliches«. Sie dachte an ihren Körper im Sommerhaus, und unwiderstehlich wurde sie weggezogen vom Strand, von ihrem Mann, von der unglaublich schönen Astralebene und in ihren Körper hinein. Das tat weh; es war wie ein Schlag auf den Brustkorb. Eine halbe Stunde hatte dieser Besuch bei Frederick gedauert.

»Werdet ihr mir glauben?« fragt die Autorin. »Einige werden es, und wenn ihre Zahl auch gering sein wird: Wenn ich Hoffnung spenden konnte, hat es sich gelohnt, meine intimen Gefühle und Erfahrungen dem Blick und der Kritik anderer auszusetzen.«

Gladys Osborne Leonard lebte noch lange. Sie starb hochbetagt 1968, und seither ist sie wohl mit Frederick vereint, am Ufer des Flusses da drüben, wo es so schön ist, dass man es nicht annähernd beschreiben kann.

 

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