Rockmusik und Erleuchtung

Conscious TV ist ein unabhängiger englischer Fernsehsender, der seit November 2007 an die 500 Programme realisiert hat. Zu den Schwerpunkten Nicht-Dualität und Spiritualität werden interessante Menschen interviewt, und mir fiel auf, dass einige von ihnen mit Rockmusik zu tun hatten wie ich ja auch, und diese Passion hat mich nicht verlassen. 

Um es nochmal zu sagen: Die Rockmusik hat mich enttäuscht. Die Protagonisten wurden entweder reich oder starben früh und blöd an Drogen — oder sie touren immer noch unermüdlich mit ihren alten Hits durch die Gegend, um Partystimmung zu verbreiten. Der Rock hat die Mitte der Gesellschaft erobert und ist dabei zahnlos und leblos geworden, seine Hits zu unbedeutenden Gassenhauern der Gegenwart.

Es gab einmal Musik, die unterwegs war zu anderen Erfahrungen und Realitäten. Die frühen Pink Floyd und frühen King Crimson waren nah dran, Kraftwerk und Can erweiterten unsere klingende Welt, und Experimentatoren wie Riuychi Sakamoto und … schockierten unser Gehör wie einst die Neutöner de Klassik-Adepten.

DSCN3213Zu neuer Musik gehören neue Gedanken, und manche Musiker waren unterwegs zu sich selbst und beschritten auch esoterische Pfade. Conscious TV brachte im Juni 2017 etwa drei Interviews mit Arthur Brown, der den Welthit »Fire« schrieb, der bei jeder Party der 1970er Jahre gespielt wurde. Er erzählte, während des Auftritts habe er wirklich gelebt, den Applaus konnte er nicht richtig aufnehmen, seine Stimme habe gesungen, während er in Seligkeit schwamm. Später meditierte er viel und tauchte auch in eine Art Seligkeitskörper ein, in dem Yin und Yang sich bewegten und ausbalancierten, und aus dem Om entstanden alle ferneren Töne.

0073_bisIm Sepember 2016 sprachen die Macher von Conscious TV − Iain McNay und seine deutsche Frau Renate in Oxfordshire – mit Ginger Gilmore, der Ehefrau des Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour. Ihr Buch heißt The Bright Side of the Moon, als Antwort auf Floyds weltbekanntes Album The Dark Side of the Moon. Die Dunkelheit spielte dennoch eine Rolle in ihrem Leben. Frau Gilmore entdeckte in einer schweren Krankheit die Meditation und erkannte, sie habe ihren Schatten nicht genügend berücksichtigt, der sie kontrolliert habe. Sie sprach in dem Interview über ihre Träume, ihre Kämpfe, Durchbrüche und Verwirklichungen. (Rechts: Konzert von Roger Waters 2014 in Zürich mit Songs von Pink Floyd)

IMG_4978Andrew Rawlinson schrieb das Buch The Hit − Into The Rock’n’Roll Universe And Beyond, das allerdings nur bedingt mit Rockmusik zu tun hat. Er sagte – in einem Interview im Mai 2016 bei Conscious TV −, die Realität sei offen, verwandle sich ständig und sei seltsamer, als wir sie uns nur vorstellen könnten. Sie sei ein Dschungel, und sobald man einen Pfad gefunden habe, sei dieser schon wieder verschwunden. Gewissheit und Täuschung tauschen die Plätze. Wir sind der Spiegel und das Gesicht in ihm, wir sind der Schmerz und dessen Heilung. »Ja, die Götter, die uns rocken, suchen jemanden, der sie akzeptiert.«

Jah Wobble
war Bassist bei Public Image Limited (PIL), gegründet von dem Sänger der Sex Pistols, John Lydon (Johnny Rotten). Mit 17 schloss er sich der Band an. Als junger Mann hörte er Kurzwellenoszillationen, was ihn in Trance versetzte und wie die Unendlichkeit klang. Der Bass und sein spirituelles Leben wurden vermählt.  »Wenn 010du den Bass als Ausdruck Gottes im Sinn des Fundaments der Existenz erkannt hast, liebst du das Unstetige, eine Art Flux, und du hast keine Angst mehr, etwas zu verlieren. Du reitest wirklich den Rhythmus und lebst im Reich von Om, und so kannst du den Sonic Boom in den Himmel reiten. Mein Bassspiel gründet sich auf Intuition – es ist nötig, unschuldig zu bleiben, und die Intuition kommt aus dem Solar plexus, der wisssenden Sonne tief in uns.« Das sgte er im April 2015.

Im selben Monat sprach Conscious TV mit Jenny Boyd, Autorin von It’s Not only Rock ’n‘ Roll, für das sie 75 Musiker über deren kreative Impulse interviewte.  Mit 18 hatte sie ihr erstes spirituelles Erwachen. DSCN53461967 reiste sie mit den Beatles nach Indien zu Maharishi Maheshi Yogi. Ihre Schwester Pattie heiratete später George Harrison. In London wurde Jenny Boyd ein erfolgreiches Model und heiratete Mick Fleetwood, den Drummer und Gründer von Fleetwood Mac. Der Künstler erlebe den Höhepunkt, wenn er sich total im Hier und Jetzt befinde – in der Ewigkeit mithin – und sich gleichzeitig öffne: »Das Resultat können Songs sein, die scheinbar aus dem Nirgendwo kommen.«

 

 

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