Die erste Weihnachtsparty bei Harrisons

Von April bis September übersetzte ich das Buch Life after Death: living proof von Tom Harrison, der 2009 mit 90 Jahren in Spanien gestorben ist. Ich habe einige Male mit ihm telefoniert. Ich halte sein Buch für wichtig und machte mich an die Arbeit, um mal wieder ein Gefühl fürs Übersetzen zu bekommen. Danke, Tom; danke, Minnie. In dem Buch werden zwei Weihnachtsparties geschildert, auch für Geisterkinder. Beide fanden sie im neuen Jahr statt, die erste Anfang 1948.

Minnie Harrison, Toms Mutter, war ein unvergleichliches Medium. 1946 gründeten Tom und sein Vater sowie ihre Nachbarn, die Shipmans, den Saturday Night Club und trafen sich regelmäßig in ihrem Keller in Middlesbrough zu Séancen. Nach einem Jahr erschienen die ersten Materialisationen, und das ist natürlich das Größte: Verstorbene Verwandte kleideten sich in Ektoplasma, das von Minnie ausging und schritten umher und ließen sich berühren. Sie sprachen auch, und Tante Agg war jedes Mal dabei, auch Oma Lumsden kam gern. Nun lasse ich Tom reden, in meiner Übersetzung. Das Buch soll Leben nach dem Tod: der schlüssige Beweis heißen und wird wohl nächstes Jahr veröffentlicht werden.   

»Jedes Jahr veranstalteten wir, wenn Mutters Zustand es zuließ, eine besondere Weihnachtsparty-Sitzung für die Geisterkinder, und ich möchte euch gerne einige der dramatischen Szenen schildern, die sich auf zwei dieser Sitzungen abspielten. Unsere erste Party fand am 3. Januar 1948 statt, und ich habe meine Aufzeichnungen darüber vor mir liegen.  

Als Familie mit fünf kleinen Kindern hatten wir selbstverständlich jedes Jahr einen Weihnachtsbaum, den wir speziell für diese Sitzungen umdekorierten. Wir hängten kleine, günstig zu erwerbende Spielsachen daran wie Rasseln, kleine Autos, Flugzeuge oder Schiffe, Puppen, Perlenstränge und anderen Tand. Den Geisterkindern sagten wir immer, sie könnten die Gegenstände vom Baum herunternehmen, mit ihnen im Zimmer spielen und alles mitnehmen, was sie wollten – wenn es ihnen gelänge.     

Ich muss kaum erwähnen, dass sie uns jedes Jahr beim Wort nahmen, denn wenn das Licht nach jeder Sitzung wieder anging, sahen wir, dass einige Spielsachen sich nicht mehr am Baum und auch nicht mehr im Raum befanden. Tante Agg erzählte uns, die Kinder hätten mit den Sachen auf dem Fußboden gespielt und sie dann dematerialisiert, um sie aus dem Haus zu bekommen. Wohin genau sie gelangten, erfuhren wir nicht, aber man sagte uns, die Geisterkinder brächten das Spielzeug in Gegenden, in denen arme Kinder lebten, neben denen sie ein Spielzeug rematerialisierten. Das Kind war überglücklich, etwas Neues zum Spielen vorzufinden – und so waren Kinder in beiden Welten mit Freude und Glück beschenkt worden.«     

»Bei der 1948-er Party erhielten wir vier Tulpen und einen Strauß Veilchen als Apporte. Doris’ Eltern – Mam und Dad Hudson – waren an diesem Abend unsere Gäste, und unser guter Geisthelfer Brownie sprach durch die Trompete und verriet uns, er sei in ihrem Haus gewesen und habe einen kleinen Keramikhund apportiert, den wir später finden würden. Wir fanden ihn dann gegen Schluss der Sitzung in dem Eimer, in dem der Baum stand, und Mam Hudson war entzückt, ihn wieder nach Hause mitnehmen zu können: als Erinnerung an die Party.  

Sunrise sagte uns, ein kleiner afrikanischer Junge wolle sich uns mitteilen, und er pfiff ›Swanee River‹ durch die Trompete. Die Melodie war sehr klar und hell, und wir stimmten alle leise mit ein – das war bewegend. Vier andere sprachen durch die Trompete, eingeschlossen der regelmäßige Korrespondent Sam Hildred und ein junger Mann namens Andrew, der im Alter von 12 Jahren gestorben war und sich an nicht viel mehr erinnern konnte. Er versprach, wiederzukommen und uns mehr Information zu geben, was er, wie mein vorheriges Kapitel erzählte, auch tat.    

Gerade als meine Mutter für die Materialisationen ins Kabinett gehen wollte, erlebten wir eine hübsche Überraschung. Alle fühlten wir, dass in der Dunkelheit etwas auf unsere Knie fiel, was für Aufregung und Gelächter sorgte (immer gut in einem Zirkel). Wir entdeckten, dass Sydney, Dad Hudson, Mr Jones und mein Vater jeder eine Zigarre und die übrigen einige eingewickeltes Toffee-Bonbons erhalten hatten. Als Nichtraucher war ich natürlich froh über die Bonbons. Brownie sagte uns, er habe die Zigarren von einer großen Party ausschließlich für Männer in London, und die ›Kiddies‹ hätten die Toffees auch von einem großen Fest dort. (…)  

Die Materialisationen

Meine Notizen sagen, dass wir bei dieser Party-Sitzung sieben Materialisationen hatten. Erstens: Oma Lumsden, die kam, um ihrer Tochter und dem Schwiegersohn, Mam und Dad Hudson Grüße zu überbringen. Ihr – Oma – folgte sofort May, eine von Dad Hudsons Töchter mit seiner ersten Frau Hannah; dann kam Hannah selbst und hielt sich plaudernd eine Weile aufrecht. Sie dankte anmutig Mam Hudson dafür, dass sie sich um die Familie mit den fünf Kindern gekümmert hatte, die Mam als junge Braut von 23 Jahren ›geerbt‹ hatte, als sie Dad Hudson heiratete. 

Es war ein sehr ergreifendes und einzigartiges Familientreffen, das die beiden Welten miteinander verband, und Hannah legte ihren Kopf an Dads Schulter, bevor sie ihn noch einmal küsste und entschwand. Ich kann die Rührung darüber auch jetzt, nach 50 Jahren noch spüren.«  

Es tauchten noch auf: Charles Roeder, der frühere Präsident der Kirche von Middlesbrough, komplett mit Bart; Ernie Buckingham und Ronnie Lofthouse, zwei Freunde Toms aus dem Lyceum, der Sonntagsschule; und selbstverständlich Tante Agg zu ihrer üblichen »Plauderei der Woche«.  

»Bei der Sitzung hatte Douglas Hildred seine Geisterlichter um den Baum angeordnet, und ein Licht hing fast oben bei der Fee an der Baumspitze. Unser wundervoller Abend dauerte über zwei Stunden, und alle waren wir begeistert. Als wir das Licht wieder einschalteten, sahen wir, dass die Kinder drei Spielsachen entfernt hatten – ein Plastikauto, einen Hund aus Zelluloid und ein kleines Flugzeug, die sie wohl an arme Kinder weitergaben.«

 

 

 

 

 

 

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