Ava Gardner

Plötzlich musste ich an Ava Gardner denken. Da war was! Ich schaute in ihren Memoiren nach und erkannte, dass ich ihren 80. Geburtstag am vergangenen Weihnachten übersehen hatte. Also schreibe ich heute über sie, da sie am 25. Januar 1990 in ihrem Londoner Apartment gestorben ist, mit 68, in London, einst die schönste Frau der Welt. Bei ihr war ihre Gouvernante Carmen Vargas; in ihrem größten Erfolg, dem Film Die barfüßige Gräfin (1954), hatte Ava die Schauspielerin Maria Vargas verkörpert.  

In den Memoiren, die kurz vor ihrem Tod erschienen, schreibt Ava auf der letzten Seite: »Die Schönheit ist toll – es ist immer angenehm, zu hören, man sei schön -, aber ehrlich, ich meine, dass ich heute viel interessanter bin.« Und: »Meine Einsamkeit ist mir außerordentlich wichtig. Ich bin nicht mehr das hübsche Mädchen, das ich einmal war. Und auch wenn ich die Schmeicheleien vermisse, die Männer in mein Leben brachten, so ziehe ich es vor, allein zu bleiben.« Ava hatte nun ihren Welsh Corgi Morgan, um den sie sich kümmerte.  

Sie kam 1922 in Grabtown im US-Bundesstaat Süd-Karolina zur Welt. Ihre Schwester Bappie, die in New York arbeitete, schleppte sie zu Fotoaufnahmen in das Studio von Larry Tarr, und dessen Fotos überzeugten über viele Umwege Metro Goldwyn Mayer (MGM), die Ava nach Hollywood einlud. Da kam sie mit dem Zug an, 18 Jahre alt.  Und als Mickey Rooney (geboren 1920) sich um sie bemühte und sie dann heiratete, hatte sie gerade ihren 19. Geburtstag gefeiert. Mit 25 Jahren hatte sie schon in 18 Filmen der MGM mitgewirkt, deren Leibeigene sie sozusagen war. Wer einen Film ablehnte, musste Strafe zahlen. Der Großteil des Honorars ging an die Firma, und man war Tag und Nacht unter Kontrolle.  

Die zwei Filme des Jahres 1946 waren ein Erfolg gewesen, und nun fand sie sich im Studio wieder, und Clark Gable (1901-1960) rückte einen Stuhl vor sie hin und strahlte sie an. »So einen Mann musste man einfach anbeten!« schreibt sie. Es sei aber nichts zwischen ihnen passiert. Der Milliardär Howard Hughes interessiert sich für sie. 1948 wird One Touch of Venus ein Erfolg, 1951 Show Boat, und Frank Sinatra (1915-1998) und sie heiraten im November. Vorher, im Oktober 1945, war Ava Ehefrau von Artie Shaw (1910-2004) geworden. Sie dreht Schnee am Kilimandscharo (1952) mit Gregory Peck (1916-2003) und Die Ritter der Tafelrunde (1954) mit Robert Taylor und Mel Ferrer.

Dann kam Die barfüßige Gräfin, ein Film, der autobiografische Züge trug. Maria Vargas wird in Mexiko entdeckt, wird weltberühmt, doch ihr Ende ist tragisch. In ihrem Buch beklagt sich Ava über Humphrey Bogart (1899-1957), der ihr das Leben nicht erleichtert hätte. Er nannte sie dauernd die »Zigeunerin von Grabtown«, und bei einer der ersten Einstellungen rief er zum Regisseur Mankiewicz hinüber: »Könnte die Dame vielleicht etwas lauter sprechen? Ich verstehe sie kaum.« Italien mochte er nicht, er wollte nur seine Steaks und Pommes frites essen und seine Ruhe haben. (Ava in dem legendären Film; Quelle: Ava Gardner Museum und Ava Gardner Trust, Smithfield, North-Carolina, USA) 

Diese Ruhe war Ava nicht gegönnt: Sie war nun ein Star, und der damals erfundene Spruch vom »schönsten Tier der Welt« werde sie, vermutete Ava, wohl bis ans Ende verfolgen. Nach zwei Jahren war die Ehe mit Frank am Ende, den sie geliebt, mit dem sie sich aber immer gestritten hatte; Auftritt von Luis Miguel Dominguin (1926-1996), einem Torero, von dem sie dachte, er sei wie für sie erschaffen. Howard Hughes war ihr immer noch auf den Fersen, und Luis Miguel, der Spanier, wollte unbedingt eine Familie gründen, was Ava fern war, und zu ihrem Glück fand er eine italienische  Schauspielerin, die den Plan gut fand. George C. Scott (1927–1999) gab es auch eine Weile, doch wenn er Wodka trank, wurde er paranoid und zertrümmerte er alles in seiner Nähe.   

Mit Walter Chiari hatte sie eine Affäre. Italiener baggern immer, meinte sie, und heiraten wollen sie auch immer. Sie jedoch erklärte: »Die Kluft, die jemanden sehr mögen und jemanden lieben trennt, ist, was mich betrifft, so breit wie der Atlantik.« Ab 1955 lebte Ava Gardner 13 Jahre in Spanien. Mit 35 spielt sie die Herzogin von Alba in Die nackte Maja, und sie meint, es sei nicht gerade ihr erinnerungwürdigster Beitrag zur Filmkunst gewesen. Aber Die Nacht des Leguan (1964) war wieder ein guter Film, an der Seite von Richard Burton. Regisseur: John Houston. Ava Gardner sei darin absolut superb, schrieb die Presse. (Ein Foto aus dem Leguan-Film; Quelle wie oben 

Danach nahm Ava Rollen nur noch an, wenn sie Geld brauchte oder schöne Gegenden kennenlernen wollte. Für Frauen um die 50 gab es früher in Hollywood kaum Rollen, außerdem verstand sie sich nie als Charakterdarstellerin. Sie war auf der Leinwand, wie sie immer war: ein ganz normaler Mensch, wie sie in ihrem Buch gern betonte. Humor hatte sie auch.  

Im letzten Beitrag der Mémoires (Paris 1991)  schildert Mearene »Reenie« Jordan ihr letztes Beisammensein mit ihr. Ava hatte Jahre zuvor einen Schlaganfall gehabt, und Reenie war auch nicht mehr gut auf den Beinen. Sie gehen mit dem Hund spazieren, und beide Frauen sind plötzlich erschöpft. Sie setzen sich – und kommen kaum mehr hoch. Mit Mühe schleppen sie sich unter einen Baum. Irgendwie schaffen sie es dann doch, hochzukommen und zurück in die Wohnung zu gehen. Beide fangen plötzlich zu lachen an; sie lachen Tränen. Und Ava fragt: »Reenie, haben sie dir je gesagt, dass es so zu Ende gehen würde?« Reenie sagt: nein. Niemals, niemals, niemals.

 

 

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