Falsche Bewegung? (IV) Würfeln für die Forschung

Es ist schon oft vorgekommen, dass jemand von einem Unfall träumt, den Betreffenden warnt, und wenn doch etwas passiert, wird der Warner oder die Warnerin sogar zum Sündenbock gestempelt: Er habe dem Opfer den Unfall auf den Hals gewünscht. So sind die Leute. Aber eindeutig gehören zu Psychokinese, der Beeinflussung von Materie, Willenskraft und Begabung, aber auch magische Prozeduren im richtigen Setting können sie bwirken, glaube ich. 

Wenden wir uns der handfesten Psychokinese-Forschung zu. Die Phänomene bei Séancen waren um 1930 noch in aller Munde, doch ein neuer Forschergeist begann sich durchzusetzen: kontrollierte Experimente. Eugène Osty, der Leiter des Institut Metapsychique International in Paris, testete 15 Monate lang (bis 1931) das österreichische Medium Rudi Schneider, das schon Thomas Mann hatte erleben können. Schneider konnte Zielobjekte auf einem Tisch »geistig« verschieben, und wie sich zeigte, saugte dabei eine unsichtbare, vom Medium ausgehende Substanz 30-75 Prozent der infraroten Strahlen auf, die auf das Objekt projiziert waren. Im Beisein des englischen Mediums Matthew Manning kam bei Münzwürfen an der kalifornischen Universität Davis in den 1970-er Jahren neun Mal hintereinander »Kopf«, und die unglaublichen Serien endeten nicht.

In der parapsychologischen Forschung ging man vielen Hinweisen nach. Wie unterscheiden sich Medien von normalen Menschen? Was könnte der Auslöser von Phänomenen sein? Gibt es mehr Spukfälle auf Linien mit möglicher Erdbeben-Aktivität? Spielen elektromagnetische Wellen eine Rolle? Das Untersuchungsspektrum war enorm, und dies war meist Einzelkämpfern zu danken, die sich in ein Problem verbissen. Aber auch so bekommt ein Fach Konturen.

In den USA hatten in den 1930-er Jahren Joseph Banks Rhine und sein Mitarbeiter Gaither Pratt ihrer Meinung nach genügend Beweise für außersinnliche Wahrnehmung vorgelegt. Sie überlegten nun, wie man den Einfluss von Bewusstsein auf Materie nachweisen könne. Eines Tages kam jemand vorbei und behauptete, Würfel beeinflussen zu können. Das war die Lösung: Die Teilnehmer mussten sich Würfelzahlen wünschen! Die Parapsychologen an der Duke-Universität bauten also ein Apparatur, bei der Würfel eine schiefe Ebene hinunterrollten, und die Versuchspersonen hatten Wünsche frei.

Die Ergebnisse der Würfel-Experimente waren weniger spektakulär als mit den Karten, und doch ergab sich einmal bei 18 Experimenten mit 27.000 »Runs« (Würfen) eine Ergebnis, das nur in einer Million zu eins zu erwarten gewesen wäre. Fünfzig Jahre später nahmen Radin und Ferrari 148 Versuche mit 2,6 Millionen Trials unter die Lupe, die von 1935 bis 1987 stattgefunden hatten. Ihre Akkumulation der Ergebnisse durch Meta-Analyse bestätigte einen starken Effekt.

Um einen Einfluss auf Würfel nachzuweisen, muss man zunächst zeigen, wie  Ergebnisse aussehen, wenn kein Menschen anwesend ist. Diese „Kontrolldaten“ vergleicht man dann mit den Perioden, bei denen jemand versucht hat, Einfluss zu nehmen. Gibt es tatsächlich Abweichungen, so erlaubt ein statistisches Verfahren, zu bestimmen, ob die Ergebnisse signifikant (bedeutsam) über dem Zufall lagen. Man kann nun, wenn man will, neue Variablen einbauen. Forscher gehen von Modellen aus: Sie überlegen sich vorher, woran es liegen könnte und vergleichen dann etwa Männer und Frauen, Psi-»Gläubige« und Skeptiker, Künstler und Büroangestellte. Manche Ergebnisse sind signifikativ, andere nicht; und so schälen sich neue Hypothesen zu Psi heraus.

Allerdings ist Würfel nicht gleich Würfel, und der Einwand, dass sie keinen »echten Zufall« böten, war schlecht zu kontern. Im Zwielicht sind damit alle schönen Experimente mit Münzwürfen, der Beeinflussung von fallenden Wassertropfen und sich drehenden Roulettescheiben. Der ungarische Mathematiker John van Neumann hat einmal gesagt, wer Zufallszahlen künstlich produzieren wolle, der befände sich selbstredend vom mathematischen Blickwinkel aus »im Zustand der Sünde«.

Der Zufalls-/Zerfalls-Generator

Da hatte der amerikanische Boeing-Ingenieur Helmut Schmidt in Seattle eine Idee. Er setzte einen Random Number Generator (RNG), der auch Random Event Generator heißt (REG) und unaufhörlich Zufallszahlen produzierte. Schmidt sagte selber, seine Arbeit habe sich aus den Rhineschen Würfelexperimenten entwickelt. Seine Maschine beruhte auf dem radioaktiven Zerfall (oft von Strontium 90), der völlig zufällig ist. Es gibt nur eine Wahrscheinlichkeit des Zerfalls, aber welches Teilchen als nächstes zerfällt, weiß man nicht. Der Zufallsgenerator erzeugt je Sekunde ein Ereignis, und das drückt sich im Aufleuchten einer Lampe aus – rot oder grün. In den Versuchen 1970 und 1971 soll sich die Versuchsperson auf eine Lampe konzentrieren und sie dazu bewegen, häufiger aufzuleuchten als die andere. Wichtig hierbei ist das Feedback. Die sofortige und wiederholte Rückmeldung zeigt der Versuchsperson, ob sie auf dem »richtigen« Weg ist.

In einem Versuch erreichte Schmidt ein Ergebnis von 50,8 Prozent, in einem anderen 52,4 Prozent – hier hatte er es mit besonders motivierten Versuchspersonen zu tun. Schmidt schreibt, dass seiner Meinung nach PK (Psychokinese) tatsächlich existiert. Für die REG-Versuche errechneten Radin und Roger Nelsen 1989 auf der Basis von 597 Studien von 1959 bis 1987 ein »astronomisch hohes Signifikanzniveau«. Signifikant heißt: beweiskräftig. Er drückt sich in einem z-Wert von über 0,05 aus. Diese kollektive statistische Aufbereitung vieler guter Studien durch die Meta-Analyse schien äußerst vielversprechend. Die Fachwelt horchte auf.

Im Jahr 2005 hat Werner Ehm vom Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene die Arbeit vom mathematischen Standpunkt aus neu analysiert und musste die Euphorie dämpfen: Die Werte sind nicht mehr signifikant, sehen also weniger gut aus, wenn man berücksichtigt, dass wenig erfolgreiche Experimente in der Schublade verschwinden oder »bessere« Datenreihen berücksichtigt werden (das »Selection«-Problem). Und man hat  ja für jede der 597 Studien nur einen Wert, und wer könnte da zurückrechnen, woran es genau gelegen hat? Darum mahnt Ehm, das Modell, das der Studie zu Grunde liege, sei genau zu prüfen. Denn das Modell bestimmt darüber, was man misst.

Rückwirkende Psychokinese

Bei Helmut Schmidts Versuchen ergab sich ein Phänomen, das alles auf den Kopf stellte. Sein binärer Zufallsgenerator produzierte auf das Band schwache und starke Knack-Geräusche, vergleichbar mit Kopf und Zahl einer Münze. Diese Bänder, die nie jemand angehört hatte, sollten eigentlich annähernd gleich viele laute und leise Geräusche verzeichnen. Die Versuchspersonen hörten sich die Bänder an und „wünschten“ sich mehr leise Knacklaute – und siehe da, später waren deutlich mehr leise Laute zu hören. Hatten die Leute die Bänder hinterher verändern können?

Schmidt hatte den Versuchspersonen eine Kopie gegeben. Als er die Kopien mit den Originalbändern verglich, waren beide identisch. War die Veränderung von Anfang an dagewesen? Nein, die Bänder waren »verändert«, und da weist Helmut Schmidt auf die Quantentheorie hin: Erst wenn jemand die Töne hört, fällt sozusagen die Entscheidung – wenn man so will, auf beiden Bändern. Wir haben es also mit rückwirkender Psychokinese zu tun.

William Braud kannte dieses Phänomen von seiner Bio-PK (Effekte rückwirkend auf Hautleitfähigkeit und Zellen) und erläuterte, man könne sagen, dass die »zeitverschobene direkte geistige Einwirkung« verändern konnte, was geschehen wäre, aber das sie nicht zu verändern vermag, was geschah. Künftige Intentionen können über die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen mitbestimmen. Nobelpreisträger Richard Feynman sagte es so: »Alles, was sich ereignen könnte, beeinflusst das, was sich tatsächlich ereignet.« Die Quantentheorie war sogar Albert Einstein nicht geheuer, und er hielt das alles für verrückt, und darum dürfen wir das zehn Mal tun. Ich werde mich im Frühjahr an einer kleinen Zusammenfasaung versuchen. vers

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Falsche Bewegung? (IV) Würfeln für die Forschung”

  1. Rolf Hannes

    Lieber Manfred, hoffentlich hast Du ein glückliches Frühjahr und Deine Zusammenfasaung fällt nicht allzu versaut aus, also die Versauung sozusagen aus psychokinetischer Sicht. vers 12 art 13 Chrisostomos.
    Mit Humor läßt sich viel bei Psi vertragen.

    Quantentheoretischer Gruß
    Rolf

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