Freitag, 19. September, 19:35 Uhr, Pähl

Zwei 21-jährige Mädchen sind ums Leben gekommen bei Pähl in der Nähe von Weilheim, weil ein anderer Wagen frontal ihren weißen Seat rammte. Es muss wie der Einschlag einer Rakete gewesen sein, und die Mädels hatten, als der rote Mini-Cooper auf sie zuraste, vielleicht noch zwei Sekunden Zeit, und dann explodierte ihre Welt. Die Fahrerin lebt noch, doch man weiß nicht, wie lange; der schuldige Fahrer hingegen ist auch tot.

Das erzählte mir gestern früh meine Mutter am Telefon. Ja, das war schon mein Thema am Freitag: Männer töten Frauen. Frauen rasen gewöhnlich nicht mit dem Auto auf regennasser Fahrbahn, um schnell heimzukommen. Der Fahrer war 49 Jahre alt und raubte wahrscheinlich aus Dummheit und Unvernunft zwei jungen Mädchen ihr Leben, einem dritten die Gesundheit und allen die vielen schönen Jahre, die sie hätten haben können. Im Polizeibericht hieß es, die Unfallursache sei ungeklärt; dann gibt man auch noch die Höhe des Sachschadens an: was für ein Zynismus.   

Da werden sich manche Leute wieder fragen: Warum lässt Gott so etwas zu? Stattdessen sollten wir fragen: Warum lassen wir das zu? Ist es möglich? Man kümmert sich um die Altersversorgung, um die Einkäufe fürs Wochenende, Sonntag ist Erstkommunion, und dann kommt ein Idiot aus finsterer Nacht und fegt uns weg aus dieser Welt. Ich habe das ja schon öfter gesagt, aber es ist absurd, wie man sich um jedem möglichen Mist sorgt, Pferdefleisch, Fastfood und Rauchen, und dass man dann auf den Straßen Freiwild ist. Und der Tod kommt, weil alle so dringlich schnell unterwegs sind, wie in den Hollywood-Filmen, in denen alles explodiert: in einem Inferno.   

»Erster Grund, nicht Mini zu fahren: Sie trauen sich nicht rein.« Sagt die Autowerbung. Trau dich; worauf warten? Gönn dir den Spaß. Einer tat es und gab Gas. Die drei 21-jährigen Mädchen kamen aus München und wollten heim. Zehn Minuten später hätten sie es geschafft.  — Vor ein paar Jahren überholte ein Junge mit seinem Wagen dort in der Nähe vier Mädchen in deren Auto, vielleicht, um ihnen Angst einzujagen und ihnen zu zeigen, was ein Mann ist; er hat sie vermutlich geschnitten, und sie prallten an einen Baum und verbrannten. Nicht erfunden ist das. (Rechts oben: das Polizeifoto.)   

Es wird immer wieder passieren. Im September hatte ich schon von einem jungen Mädchen erzählt, das Opfer eines Unfalls wurde. Seit Jahrzehnten werden derartige Unglücke als Betriebsunfälle abgebucht: persönliches Pech. Die Empörung wird ausbleiben. Was will man auch tun? Tempo 70 auf Bundesstraßen vorschreiben? Der deutsche Autofahrer wird auf die Barrikaden gehen. Richtig wäre es; was auf den Straßen abläuft, ist pure Gewalt und Machtausübung. Die Leute (die Männer) wissen nicht, was sie da tun. Eine Million Menschen stirbt jedes Jahr weltweit an Verkehrsunfällen. So viel Trauer.    

 

 

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