Sexberaterin Dr. Tatiana

Eine Zuschrift an die Sexberaterin Dr. Tatiana alias Olivia Judson: »Ich bin eine Bienenkönigin und besorgt. Alle meine Liebhaber lassen ihre Genitalien in mir zurück und fallen tot zur Erde. Ist das normal?« Ein Beispiel aus dem Buch Die raffinierten Sexualpraktiken der Tiere (Heyne 2002), das die Stadtbücherei Landsberg ausgesondert hat. Warum? Damit manipogo darüber schreiben konnte.  

Noch ein Fall: »Ich bin eine europäische Gottesanbeterin und habe festgestellt, dass mir der Sex mehr Spaß macht, wenn ich meinen Liebhabern zunächst den Kopf abbeiße. Nachdem ich sie geköpft habe, geraten sie in höchst aufregende Zuckungen. Irgendwie scheint sie das hemmungsloser, gieriger zu machen – es ist einfach toll. Finden Sie das auch?« Nein, manipogo ist keine männerfeindliche Seite; die Welt der Insekten ist so.  

Natürlich kann Dr. Tatiana ihre Leserbriefschreiberinnen beruhigen. Alles ganz normal. Unnormal ist jedoch Monogamie, die im Tierreich fast als abweichendes Verhalten gilt. Die Männchen sind, schreibt die Evolutionsbiologin, fast immer glorreich geschmückt und wenden alles auf, um auf eine potenzielle Sexualpartnerin Eindruck zu machen. Das ist so wichtig, dass die Männchen sogar ihre Verteidigung vernachlässigen. Alles in der Natur scheint auf Fortpflanzung ausgerichtet, wobei zwischen ihr und Sex unterschieden wird, das Dr. Tatiana »Austausch von Genen« nennt, aber wie, verändern sich meine Gene durch Sex?  

Im Tierreich ist auch die Promiskuität der Weibchen ganz normal. Weibchen mit vielen Partnern bekommen mehr und gesündere Kinder als monogam lebende. Die »Schlampe«, von der Naomi Wolf spricht, hat in der Evolution Vorteile, und schon Darwin sprach von sexueller Selektion. Die Männchen schmücken sich, weil sich die Weibchen lieber mit den schönen Männern paaren. »Tut mir leid, Jungs«, kommentiert Dr. Tatiana.  

Eine Galapagos-Meerechse beklagt sich in dem Buch, dass junge Männer »in ihre Richtung« masturbierten. Dr. Tatiana erläutert: »Bei vielen Primaten masturbieren Individuen beiderlei Geschlechts ausdauernd und häufig.« Männliche Rothirsche tun es, indem sie ihr Geweih mit den Spitzen am Boden reiben. Halsbandmangaven masturbieren mit der Hand, Orang-Utans mit Sexspielzeugen, die sie aus Blättern und Zweigen fertigen. Damit hätten wir einige Tabus, die bei Menschen herrschen, anhand der Tierwelt zurechtgerückt.

Die Welt der Tiere ist mindestens so bunt wie die der Menschen, aber tauschen möchte man nicht. Bei den Tieren  geht es immer gleich um Leben und Tod, und unser Bewusstsein möchte man auch nicht so einfach aufgeben.    

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