Zeitmanagement

In Santa Marinella lernte ích Angelo Derosas kennen, der die kleine Buchhandlung Il Filo di Sofia am Schloss betreibt. Il Filo di Sofia ist ein nettes Wortspiel. Philosophie heißt bekanntlich Liebe zur Weisheit (sophia auf Griechisch, philo: Freund), und Il Filo di Sofia wäre der Faden der Sofia, der Weisheit, und wenn wir den (richtigen) Büchern folgen, gehen wir dem Faden nach, den etwa Ariadne im Labyrinth von Knossos auslegte, und wir finden den Weg aus der Verwirrung hinaus.

Eine dieser hübschen Synchronizitäten: Ich verriet Angelo, ich schriebe ein Buch über die Zeit, und er deutete rechts von mir auf ein Plakat, das eine Konferenz über die bessere  Verwendung der Zeit ankündigte, zwei Tage danach, Sonntag 19. November, von 17 bis 20 Uhr. Ich kam hin. Im Hinterraum der Buchhandlung saßen wir dann etwas beengt, aber gut, und wir waren 16 Zuhörer und Zuhörerinnen, ja, zur Hälfte Frauen und Männer.

Der Referent war Marco Cascianelli aus Rom, 49 Jahre alt, Coach und geschult im Neurolingustischen Programmieren, und er erzählte uns, wie wir mit besserer Nutzung unserer Zeit unser Potenzial besser ausschöpfen und mehr Geld verdienen könnten. 

Marco war ein Profi, klar, das klang sehr amerikanisch, es ging um die Arbeitszeit und die Freizeit, um die 8400 Sekunden jedes Tages, die dann vorüber und nicht vermehrbar seien, und dann ging es auf der Schautafel um die Frage, was ich erreichen wolle, dass ich mir das aufschreiben und handeln müsse, um mein Ziel zu erreichen. Ich sah sofort, dass Marco auf einem anderen Planeten lebte als ich, und die anderen ja auch, denn ich war der einzige, der angab, nicht zu arbeiten.  

Ich wollte die Veranstaltung nicht stören (dachte aber einen Augenblick, ob ich nicht nach der Pause verschwinden sollte), aber als er die Frage präsentierte »Was will ich werden?«, musste ich doch an Krishnamurti erinnern, der sagte, man solle jetzt leben, nichts werden und nichts suchen wollen, und die Vergangenheit solle man auch entsorgen. Diese NLP-Leute sind clever, sie geben dir recht, aber dann haben sie doch recht. Dann: Pause. 

In der zweiten Hälfte war ich lockerer und machte meine Bedenken geltend. Marcos Konzept sei das Leben als Rechenaufgabe, sagte ich, und warum man immer vom Preis reden müsse, von Geld; mehr Herz, wissen, wer man ist, der Rest komme von selbst. Erstaunlicherweise sagte Marco dann Dinge die gut waren, wohl, um mir Recht zu geben, und er ließ sich sogar herab, kniete sich irgendwie hin und blieb so bis zum Rest der Veranstaltung, um auf unserer Ebene zu sein, und nun waren wir körperlich auf gleicher Höhe, und ich stellte fest, dass es tatsächlich Gemeinsamkeiten gab zwischen uns, dass wir nicht so weit auseinander waren.       

So endete die Konferenz doch mit eiuer gewissen Wärme, und dann, draußen, redeten Sergio, Alessandro, Irene und Gabriella noch lange über vieles, und viel wurde gelacht. Ich denke, meine bescheidenen Beiträge gaben der Konferenz eine andere Richtung und zwangen Marco, etwas einzulenken, damit sein Vortrag am Ende nicht zu technokratisch klänge. Niemand ist zu gering; jeder sollte sich zur Geltung bringen, damit gemeinsam etwas Neues entsteht.

 

 

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