Maestro Puccini

Es war ein Dienstag, ich fuhr aus Santa Marinella in Richtung Norden, vorbei an Orbetello und an der Insel Elba, was alles unter Wolken lag, doch dann riss die Decke auf und es wurde klar und hell. Ich fuhr nach Torre del Lago, besuchte dann Lucca und Pisa und Viareggio, und statt mit Napoleon bekam ich es mit Maestro Puccini zu tun, der in dieser Gegend, der toskanischen Maremma, sein Leben verbracht hatte.

In Lucca, der schönen alten, von Mauern gegürteten Stadt, wurde Giacomo Puccini 1858 geboren, also fast 100 Jahre vor mir. Im Geburtshaus ist ein Museum eingerichtet, das ich aufsuchte. 1883 hatte er in Lucca auch seinen ersten Erfolg, und auf einer Piazza haben sie ihm eine Statue hingestellt.

In seinem 66 Jahre dauernden Leben komponierte der Maestro 12 Opern, von denen Madame Butterfly, La Bohème und Tosca auch heute noch gespielt werden. Unsterblich. Die Opern erlebten etwa von 1895 bis 1900 ihre Uraufführungen. Eine Frau im Kleinbus in Lucca rümpfte die Nase: »Viel zu melodisch.« Das wird Puccini immer vorgeworfen. Es ist eben gefällige Opernkunst, aber muss ich mich dafür schämen, dass mich bei der Ouvertüre von Tosca ein Schauer überläuft? Die Szene, in der die Sängerin Flora Tosca den Tyrannen Scarpia ersticht, ist Hochspannung. Und das Finale, als sie unter der Wucht des Orchesterklangs von der Engelsburg springt! Die großen Opern hat Puccini in seiner Villa in Torre del Lago geschrieben, das auch ein Museum ist.

Bis 1921 lebte Puccini dort, und der See, der heute oft als Lago Puccini bezeichnet wird, reichte bis an den Gartenzaun. Der Maestro bestieg ein Boot und ging auf die Jagd. Im Laufe seines Lebens kaufte er 16 meist schnelle Automobile. Man kennt ihn mit dem Hut schief auf dem Kopf, dem schwarzen Schnurrbart, gekleidet meist in einen schwarzen Mantel mit weißem Seidenschal. Puccini wusste, was die Leute erwarteten; er verkörperte den genialen Erfolgskomponisten, war etwas wie ein musikalischer Hemingway, in der italienischen Version. Ein Bonvivant. Hier unten der Blick auf die Arena am See. Den großen Vorplatz hat man erst nach Puccinis Tod (1924) aufgeschüttet.

Ich habe Puccini aber unrecht getan. Ich hielt ihn für einen eitlen Großbürger, aber er kam nicht wohlhabend zur Welt, wusste seine Vorteile zu nutzen und sein Geld zu mehren, war aber stets ein aufrechter braver »Toscanuccio«, bei dem alle aus- und eingingen, reiche wie arme Leute, Maler und Fischer. Er heiratete seine Elvira, schrieb ihr zwar großspurig von Affären, die ein Künstler eben habe, die aber nicht viel bedeuteten, aber er liebte nur sie. Am Ende, als er wegen eines Tumors nicht mehr sprechen konnte (er starb nach einer Operation 1924 in Brüssel), kritzelte er noch ein paar Worte auf Papier, und eines seiner letzten Worte hieß Elvira.

 

 

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