Die Milchstraße entlang

Eine schöne Liebesbeziehung soll das ganze Leben dauern und darüber hinaus, immer und ewig. Man träumt sich mit dem Partner ins Paradies, das man zwar hier schon hat, das aber »hienieden« Ecken und Kanten hat und stets bedroht ist. Also geht es in die andere Welt.

Rumi, der berühmte persische Poet aus dem 13. Jahrhundert, hat wunderbare Zeilen geschrieben. 

Sogar am Ende dieser Erde
Werden wir beisammensein.
Wir bewohnen ewige Himmel,
sind endlose Freude hier.
Vögel stürzen mit hellen Flügeln,
süßes Nass mit uns zu trinken.
Wir lachen Tränen, wenn sie betrunken
Von Gottes edlem Weine sind.
Wundersam ist’s hier zu sein,
leicht in die nächste Welt zu gehen.
Kein Ich mehr und kein Du besitzen,
nur die Wonne der Vereinigung.

 

Danach dachte ich dauernd an die Worte „du und ich“, irgendwo war da in meiner Sammlung ein Gedicht mit dieser Kombination, und dann fiel es mir ein: das Sterbelied der Wintu-Indianer.

Dort oben werden wir gehen, du und ich;
die Milchstraße entlang werden wir gehen, du und ich;
auf dem Blumenpfad werden wir gehen, du und ich;
wir werden Blumen pflücken auf unserem Weg, du und ich.

Gesehen im Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden

Und dann noch, ekstatisch und elektrisch, ein Stück aus einem Gedicht von Novalis, einem Zeitgenossen von Goethe, Schiller und Jean Paul, der 1801 starb.

Getrost, das Leben schreitet
Zum ew’gen Leben hin;
Von innrer Glut geweitet, verklärt sich unser Sinn.
Die Sternwelt wird zerfließen
Zum goldnen Lebenswein,
Wir werden sie genießen
Und lichte Sterne sein. 

Die Lieb’ ist frei gegeben,
Und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
Wie ein unendlich Meer.
Nur eine Nacht der Wonne,
Ein ewiges Gedicht!
Und unser aller Sonne
Ist Gottes Angesicht.

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