Flugverkehr (3)

Ich nehme eine Serie wieder auf, die im August begonnen wurde: menschliche Flugbewegungen. In den Weltreligionen gibt es viele Geschichten von fliegenden und sich levitierenden Körpern von Heiligen, und darum geht es heute: um die Levitation, was Sich-Erheben bedeutet; konkret.

Schon die Rigveda, ein alter Epos des Hinduismus, berichtet von fliegenden Menschen. Die Jaina-Asketen sollen es geschafft haben, ihren Körper leichter als Luft zu machen, und Gewichtslosigkeit (laghiman) zählte zu den acht wichtigsten magischen Fähigkeiten der Yogis. »Zahllose Geschichten über Levitation und Reisen in andere Welten gehören zur vielgestaltigen Hindu-Tradition«, schreibt Ioan P. Culianu in seinem Buch Out of this World. Da erzählt er uns auch von Buddha, der kurz nach seiner Erleuchtung über den Ganges flog.  

Fähre in Holland. Kostet nichts, man kann sich das Fliegen sparen

Eine Quelle berichtet, die Fährmänner hätten Buddha an das Geld für die Überfahrt erinnert, doch er habe erwidert: »Ihr guten Leute, ich habe das Geld für die Überfahrt nicht«, und im selben Augenblick sei er übers Wasser geflogen aufs gegenüberliegende Ufer. In einer anderen Stelle redet Buddha einem Asketen den Flug aus, wenn er auch ein Boot benützen könne.  

Im Westen haben wir viel überzeugendere Beispiele: Joseph von Copertino (1603-1663) und die heilige Theresa von Avila (1515-1582). Joseph, besser Giuseppe, wird auch der fliegende Frater genannt, weil er sich in 100 Fällen in die Lüfte erhoben haben soll. Er war zehn Jahre Priester in Copertino, einer kleinen Gemeinde im Süden Apuliens (im Mai 2011 bin ich da vorbeigefahren: Schande, 20 Kilometer Umweg waren mir zuviel), und danach verbrachte er noch 14 Jahre in Assisi.  

Ich hatte mir einmal das Buch Human Levitation (2007) des Amerikaners Preston Dennett ausgeliehen, und aus meinen spärlichen Anmerkungen kann ich nun zitieren. Dennett schreibt, eine große Zahl Menschen sei Zeuge der Levitationen der heiligen Theresa gewesen, die bekanntlich unter großen Mühen den Orden der unbeschuhten Karmeliterinnen gründete. Ihre Bücher kann man auch heute noch mit Gewinn lesen, da sie humorvoll und durchaus selbstironisch erzählt. 

Schwester Anne bemerkte, dass die Levitationen meist zur Mittagszeit auftraten, zwischen ein und zwei Uhr. »Als ich zusah, war sie einen halben Meter vom Boden erhoben, und ihre Füße berührten den Boden nicht. Ich ging hin, wo sie war und legte meine Hände unter ihre Füße. So blieb ich dann und weinte, so lange die Ekstase dauerte, eine halbe Stunde lang. Dann sank sie plötzlich nieder und stand wieder auf ihren Füßen, und als sie sich mir zuwandte, fragte sie, wer ich sei und ob ich lange bei ihr gewesen sei.« Es gibt neun andere zuverlässige Zeuginnen. (Rechts sehen wir die Bernini-Plastik Die Durchbohrung der Heiligen Theresa, S. Maria della Vittoria, Rom.)  

Die Heilige meinte selbst: »Wenn ich versuchte, diesen Verzückungen zu widerstehen, schien es, als höbe mich eine Kraft neben meinen Füßen hoch, und sie war so stark, dass ich nicht weiß, womit ich es vergleichen soll. Kein irgendwie gearteter Widerstand ist möglich.«           

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