Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen (I)

Ich besuchte mit meiner Nichte Franziska das Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen in Berlin-Lichtenberg. Samstag Nachmittag warteten über 60 Besucher, die dann in 3 Gruppen aufgeteilt wurden. Ich machte eine Menge Notizen und Fotos, so dass ich nun einen Zweiteiler daraus basteln muss.

Stasi klingt so verniedlichend. Die DDR-Staatssicherheit war eine Krake mit dem Auftrag, ein 16-Millionen-Volk einzuschüchtern und zu kontrollieren. Wenn es stimmt (wie unser Führer durch die Gedenkstätte Hohenschönhausen sagte), dass nur allerhöchstens 10 Prozent des Volkes die Deutsche Demokratische Republik wollte und guthieß, dann war die Stasi erfolgreich. Sie tat ihre Arbeit mit schrecklicher Hingabe. Ein kleiner Teil der DDR-Deutschen kontrollierte also die Mehrheit – 10 Prozent hielten 90 Prozent in Schach -,  und diese Kontrolle kostete so viel Energie, dass dieser Staat nicht überleben konnte (denkt man heute).  

Der Neubau des Gefängnisses von 1961

 

Es gab 17 Untersuchungsgefängnisse der Stasi, und Hohenschönhausen war die Nummer eins, da in der Hauptstadt gelegen. Auf den Karten Ost-Berlins gab es den Bezirk nicht. Wer eingeliefert wurde, wusste nicht, wo er war. Unser Führer Dieter Drewitz: »Man wusste fast nicht, ob es da draußen eine andere Welt gibt.« Die Angehörigen erfuhren vielleicht nach 14 Tagen etwas. Die Verhafteten wussten auch nicht, weshalb man sie hierher gebracht hatte.  

Mit diesem Barkas B 1000 brachte man die Gefangenen her. Neonlicht.

 

Zuerst gab es im Keller ein Gefängnis der Sowjets, die ihre Gefangenen folterten. Unser Führer sagte, eine Quote von Gegnern des Regimes habe erfüllt werden müssen, also fing man Leute von der Straße weg und sperrte sie zu Dutzenden in Kellerräume. Das Licht brannte Tag und Nacht. Verhört wurde die ganze Nacht. Stundenlang. Jeder unterschrieb ein Geständnis. Dann fingierte man Militärtribunale. Die einen kamen 25 Jahre nach Sibirien, die anderen wurden nach Moskau gebracht und erschossen. In den sechs Jahren nach dem Krieg gab es 1000 Tote, vielleicht sogar 3000. Nach Stalins Tod wurde das Kellergefängnis (U-Boot im Jargon der Gefangenen) aufgelöst und die Folter verboten.  

Gang im „U-Boot“

Danach fing die DDR Leute weg, holte sie aus Universitäten oder von den Arbeitsstellen. Die Beschuldigten landeten in den Zellen und wurden dauernd verhört. Schon vor der Festnahme wusste man alles über die künftigen Insassen. Der Vernehmer wusste »fast mehr über dich als du selbst«. Das Spitzelsystem war perfekt. Manchmal war sogar dein Ehepartner der Spitzel. Da verzweifelt man am Menschen.

 

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