Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen (II)

Dieter Drewitz hatte sich einmal mit Briefen an den Radiosender RIAS an einer Diskussion über die Wiedervereinigung beteiligt. Das reichte für eine Verurteilung von 15 Monaten wegen staatsfeindlicher Aktivitäten. Später saß er noch einmal 16 Monate ein.  

In Hohenschönhausen gab es 102 Zellen, 120 Vernehmzimmer und 480 Vernehmer. »Die Vernehmungen mussten immer mit einem Geständnis enden. Etwas anderes gab es nicht.« Verhört wurde manchmal auch 18 Stunden lang. Als Schüler hatte man Drewitz aus der Schule geholt, und weshalb, wusste er nicht genau. Dennoch malträtierten sie ihn zwei Wochen lang. Was taten sie eigentlich mit Leuten, die wirklich etwas getan hatten? Welchen Sinn hatte diese Prozedur? Ging es ums Prinzip? Wollten die Vernehmer auch ihre Quote erfüllen? Pflichtbewusstsein?  

Dieter Drewitz, Ex-Häftling und Zeitzeuge

Nach dem Zusammenbruch der DDR erfuhr Drewitz, dass man 30 Jahre lang alle Briefe gelesen hatte, die er schrieb und bekam. Der absolute Kontrollwahn. Auch die DDR-Häftlihnge wurden gequält. Sie standen manchmal stunden- und tagelang im Wasser oder mussten in Isolation Wochen verbringen. Sie durften nur auf dem Rücken liegend schlafen. Alle fünf Minuten kam ein Beamter vorbei. Sie duften sich am Tag nicht auf die Pritsche legen. Sie durften sich nicht einmal anlehnen. Sie durften nichts lesen, nichts schreiben. So ein Tag war endlos. 

Zelle in Hohenschönhausen

Ein Prinzip war, dass niemand einen anderen Häftling auf den Gängen sehen durfte: das Ampelsystem. Wenn das rote Licht brannte, hieß das, dass noch jemand unterwegs war. Wenn das rote Licht erlosch, wurde der Häftling vom Beamten durch die Gänge getrieben und mit Kommandos eingeschüchtert: »Gehen! Stehen!«  

Häftling unterwegs!

 Wieder Verhöre. Die ganze Nacht. Zurück in die Zelle.

 

Hier unten wurde der Häftling erkennungsdienstlich behandelt.

Manchmal gab es Hofgang. Man sah den Himmel, Wolken und manchmal die Sonne.

Gab es so ein System in England, in Frankreich, in Norwegen? So etwas gab es vielleicht im Kongo. Ist der deutsche Mensch ein Sadist? Dieter Drewitz hat später seinen Vernehmungsbeamten getroffen, der nun ein alter Mann war. Aber er zeigte keine Einsicht. Fand das alles ganz in Ordnung.

 

 

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