Albert Camus

Der 100. Geburtstag von Albert Camus muss nachgetragen werden. Der in Algerien geborene Autor kam am 7. November 1913 zur Welt und bekam 1957 den Nobelpreis für Literatur, also in meinem Geburtsjahr. Ich habe ihn immer gern gelesen, als ich jung war. Darum schreibe ich ein paar Zeilen über ihn.

Die Literarischen Essays hatte ich ein paar Jahre immer im Gepäck. So richtig weiß ich nicht mehr, was mich da anzog. Den Klang seiner Prosa habe ich noch im Ohr. Es war irgendwie hochtrabend und tragisch, vermutlich fasziniert das junge Menschen und traf auch den Geschmack der Zeit – es war nach dem schrecklichen Krieg, Paris stand im Bann des Existenzialismus, Sartre war sein Statthalter, und auch Camus schrieb über das Absurde, das danach immer mit ihm in Verbindung gebracht wurde. 

Ab 1954 kämpften die Franzosen auch noch in Algerien und folterten und töteten. 1962 wurde Camus’ Heimatland dann unabhängig. In den 1990-er Jahren starben dort bei Aufständen und inneren Wirren 50000 Menschen. 

André Malraux (1901-1976) habe ich auch intensiv gelesen. Ihn hat Sartre als seinen Lehrmeister bezeichnet. Malraux bereiste in den 1920-er Jahren Südostasien und wurde später sogar französischer Kulturminister. Er hatte den Blick für das Absurde, und erst dieses Jahr musste ich an ihn denken, als ich Laurens van der Post las.

Mit dem Mythos von Sisyphus schuf Camus etwas Bleibendes. Sisyphus ist ein glücklicher Mensch, schrieb er, denn wenn er seinen Stein den Berg hochgeschoben hat, wie es die griechische Mythologie wollte, rollt er ihn hinunter und ist erst einmal befreit. Befreit reckt er sich und geht fröhlich hinunter, um den Stein wieder aufzunehmen und von neuem hochzuschieben. Die Strafe ereilte ihn, weil er als Frevler den Totengott Thanatos überlistete und fesselte, weshalb eine Zeitlang niemand mehr sterben musste. Seitdem ist die Sisyphusarbeit sprichwörtlich geworden.

Texte, die man heute noch gut lesen kann, sind Der Fremde und Die Pest. Camus hatte als Journalist angefangen. Er litt unter Tuberkulose und musste oft zur Kur. Der Mensch in der Revolte ist neben Sisyphus sein Hauptwerk. Lang nach seinem Tod erschien noch Der glückliche Tod, ein Roman über den todgeweihten Meursault (so heißt auch Der Fremde), der in einem südlichen Land sein Leben bis zur letzten Sekunde genießt. Bei Albert Camus hat das Leben keinen Sinn, und der Tod ist unausweichlich. Aber auch in der Übersetzung beeindruckt einen Camus’ Stil. Er beschreibt elegisch den Lebenshunger des Helden. (Illustration: Das Grab in Lourmarin.)

Den ennui (die Langeweile) findet man in Der Fremde. Der Protagonist nimmt irgendwie teilnahmslos den Tod der Mutter hin, hat eine Freundin, die er nicht liebt und erschießt einen Araber, weil die Hitze ihn bedrängt. Das ist ihm egal und seine Hinrichtung eigentlich auch, denn sein Leben war absurd. Das Buch erschien 1961, und um diese Zeit hat auch Alberto Moravia sein Buch La noia (Die Langeweile) geschrieben; das war eine Zeitkrankheit der Intellektuellen.

Am 4. Januar 1960 ist Camus bei einem Autounfall gestorben, übrigens zwei Tage nach dem italienischen Radsportchampion Fausto Coppi. Camus trieb auch Sport: Er betätigte sich gern als Fußballtorwart. Das Unglück geschah auf der Fahrt von seinem südfranzösischen Wohnort Lourmarin nach Paris. Angeblich hatte er sich auch eine Bahnfahrkarte gekauft, ließ sich aber zur Autofahrt überreden. Natürlich hieß es gleich, sein Tod sei »absurd« gewesen. Irgendwann in den 1970-er Jahren habe ich sogar den Friedhof aufgesucht, auf dem sein Grab liegt.

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