Der leere Blick

In einem Geschäft in Landsberg am Lech fotografierte ich ein Plakat. Es zeigt ein Mädchen beim Telefonieren, das begeistert von ihrer Freundin beobachtet wird. Der Blick der Telefonierenden richtet sich in die Ferne, es ist ein leerer Blick, weil sie sich aufs Hören konzentriert und nur zur Hälfte da ist, wo sie ist.

Es ist ja nichts Neues, aber man darf es gern wiederholen: Gespräche mit dem Handy lenken einen ab. Es erfordert Energie, zu verstehen, was einem gesagt wird und dann zu antworten. Man ist also nicht ganz hier, sondern nur zu 60 Prozent. Und diese partielle Abwesenheit (oder Absenz) ist gefährlich. Man kann nicht mehr gut reagieren. Zum Glück rollen viele Autofahrer an den Straßenrand, um zu telefonieren.  

Aber in Italien habe ich bei einer Wanderung entlang der Via Aurelia (die Bundesstraße 1, SS 1) einmal die Fahrer beobachtet, und 10 Prozent telefonierten während der Fahrt. Das sind immer noch zu viele. Schlimmer ist natürlich das Texten während der Fahrt 

Ich denke manchmal an eine Stelle aus einem Buch, die kurios war. Es ging um die Strategien von amerikanischen Autoverkäufern, und da war zu lesen, dass sie während der Probefahrt manchmal sagen: »Stellen Sie sich vor, das könnte Ihr Auto sein.« Und dann hieß es, dass dieses Wunschbild die Leute irgendwie überfordert, und nicht selten passierten gleich darauf Unfälle. Das Gehirn hatte so viel damit zu tun, sich auszumalen, wie das wäre, dass die Verarbeitung des Verkehrsgeschehens darunter litt.  

Wir sind nicht geboren, Multitasker zu sein. Napoleon konnte vielleicht vier Sachen gleichzeitig tun, aber das war dennoch eine andere Zeit. Ich zum Beispiel habe schon genug damit zu tun, auf Reisen zu lokalisieren, wo sich meine diversen Geräte und Objekte (Ausweismappe, Geldbörse, Handy, Fotoapparat, Schlüssel) befinden. Da renne ich manchmal umher wie ein aufgescheuchtes Huhn.

 

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