Buchhändler Angelo

Das Porträt »meines« Buchhändlers in Santa Marinella muss ich dieses Jahr noch nachreichen. Um Juni hatte ich ihn schon erwähnt, Angelo Derosas mit Il Filo di Sofia, wörtlich Der Faden der Sophia: genial. Klingt wie Philosophie, Liebe zur Weisheit ( griechisch Sophia), und wir erinnern uns an Ariadnes Faden, der durch das Labyrinth von Knossos führte. Was für ein schönes Wortspiel.

Für meine Person ist in einem Ort der Buchhändler (die Buchhändlerin) noch wichtiger als der Fahrradhändler (die Fahrradhändlerin). Auf Platz drei kommt der Tabakhändler (die Tabakhändlerin), aber wo gibt es noch Pfeifentabak zu kaufen? Erst dann folgen die Leute von Supermarkt, Schnellimbiss und dem Frucht- und Gemüseladen. Il Filo di Sofia liegt zu schön: An einer hoch gelegenen Straße, die zum Yachthafen hinunterführt und eine Palme zeigt. Wer wäre hier nicht gern Buchhändler, auch wenn er beklagen müsste, dass Italiener wenig lesen, viel weniger als die Deutschen?

 Jedenfalls schneite ich in den Buchladen im Mai hinein, nahm Ende des Monats gleich an einer Konferenz teil, und Ende November erneuerte ich meine Bekanntschaft. Ich ließ Angelo vor seinem Laden sich in Positur stellen.   

Mit Buchhändlern kann man über Bücher plaudern, aber auch über Gott und die Welt. Wenn ich mir von Amazon etwas schicken lasse, entgehen mir diese müßigen Plauderstunden (denn Buchhändler haben heute mehr Zeit, da alle Welt bei Amazon bestellt). In Heitersheim bin ich meist bei Marc Eberth von der Bücher-Galerie, denn ein wenig geistiger Austausch ist wichtig. Da hole ich alle meine Bücher.  

Im Mai kam dann ein Kunde herein und wollte ein bestelltes Buch abholen. Das sei ja wie in meiner Bücher-Galerie, staunte ich, aber wieso sollte ein Buchladen 1000 Kilometer südlicher nicht genauso funktionieren? Vermutlich kommen auch in einem Buchladen in Dakka oder in Taipeh Leute vorbei, die bestellte Bücher abholen. Angelo hat ein buntes, aber auch sehr ambitioniertes Programm. Da gibt es auch viel höhere Literatur, und sogar Lyrikbände gibt es. Ich habe mir das Gesamtwerk von Ungaretti mitgenommen, das da sicher auch schon drei Jahre im Regal stand.   

Bücher und Menschen. Man fühlt sich geborgen, aufgehoben, angeregt und ermutigt. Da gab es also noch viele andere, die auch schrieben und schreiben, und zwischen Buchdeckeln stecken Tausende von Geschichten, und ach!, man müsste mehr über sie reden, diese Geschichten. Ein Literaturkreis wäre schön. Vielleicht leite ich so einen, wenn ich mal Rentner bin. Aber erst einmal warte ich ab, ob im kommenden Jahr ich nicht auch einmal in einer Buchhandlung stehen (oder sitzen) werde, als Referent und Lesender. Dann werde ich einer Leserin in die Augen schauen, und sie wird flüstern »für Sara«, und ich werde eine Widmung ins Buch schreiben: für Sara. 

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