Lunchbox

Mumbai ist die 20-Millionen-Stadt, die früher Bombay hieß. Die Dabbawalla liefern Millionen Mittagessen auf Fahrrädern und mit der Bahn aus, und welche Präzision! Es heißt, nur einen Fehler pro 60 Milllionen Lieferungen gebe es (oder waren es 6 oder 600 Millionen?). Der Film Lunchbox spielt diesen Fehler aus.

Was läuft wie immer, interessiert nicht. Alle Nachrichten betreffen (negative) Abweichungen vom Gang der Dinge. Fehler erzeugen Informationen, aus Verwicklungen entwickelt sich etwas Neues, und ein Irrtum bringt auf den Tisch eines altgedienten Buchhalters (Irrfan Khan) das Essen, das für den Mann einer jungen Mutter (Nimrat Kaun) gedacht ist. Indische Männer wollen die Kost ihrer Frau, darum werden die Töpfe mit den Gerichten, die aussehen wie das Essgeschirr einer Armee, zu Millionen an den Schreibtisch geliefert und wieder abgeholt. Ein irrsinniger logistischer Aufwand, aber Inder sind große Mathematiker und Log(ist)iker.  

6 Millionen Menschen pendeln täglich nach Mumbai und zurück, wie der Buchhalter. Er und die junge Mutter schreiben sich Zettel. Das alles ist etwas betulich und wendet sich an die Fans von Autorenfilmen, die sich nach alter Sitte durch langsame Gangart und viel Atmosphärisches auszeichnen. Mumbai ist hektisch, aber die Inder eher kontemplativ, hört man. Der Regisseur Ritesh Batra hat einen kleinen, herzerwärmenden Film gedreht, der vor Weihnachten gerade richtig kam.  

Dann überstürzen sich doch (gemächlich) die Ereignisse: Der Mann der jungen Mutter hat eine Affäre, sie will mit der Tochter abhauen, vorher aber noch ihren unsichtbaren Gesprächspartner treffen, der sich eine Krawatte umbindet und sich zum Ort des Geschehens begibt; dann aber … Ich hatte vorher gelesen, dass indische Autorenfilme meist tragisch endeten, anders als die lustigen Bollywood-Filme, und so schaute ich nicht genau hin. Dann wurde ich aber belehrt, dass ich mich geirrt hätte und Irrfan Khan sehr wohl …  

Die Homepage des Films sollte man sich genauer anschauen, denn darauf sind drei Rezepte zu finden, und wenn man beim Essen zusieht und hört, wie köstlich das alles ist, läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

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