Im Schneetreiben

Zu dem Beitrag über Lucio Dalla von gestern passt ein kleines Psi-Erlebnis von neulich. Wenn man es analysiert, versteht man, wie das sogenannte Übernatürliche funktioniert. (Das ist Deduktion: von einem Beispiel auf das Allgemeine schließen.) Ich hatte Ende Januar in Landsberg bei Schneetreiben eine präkognitive (vorausschauende) Erfahrung, eine ganz kleine, die andere vielleicht nur eine Koinzidenz nennen würden.

Ich ging, umwirbelt von Schneeflocken, an der Stadtbücherei Landsberg vorbei, um im Antiquariat daneben etwas zu erledigen und danach wieder zurückzukehren. Ich dachte eigentlich nichts und fühlte mich wohl, und plötzlich flog mich ein Bild an, das 25 Jahre alt war. Das Schneetreiben hatte es wohl hervorgerufen. 

Ich dachte an Hamburg 1988, an die Musikhalle, auf deren Bühne ein Haus mit einem Stockwerk im Querschnitt aufgebaut war; man sah in alle Räume. Es schneite (künstlicher Schnee). Ein Mann betrat von rechts die Wohnung (die Bühne), klopfte seinen Mantel ab, hängte ihn auf und ging zu seinem Freund. Dann setzte die Band ein und spielte den ersten Song der (damals) neuen CD der beiden Musiker, Vita. Der Mann, der aus dem Schnee kam, war Gianni Morandi; das Konzert gab er zusammen mit seinem Freund Lucio Dalla.  

Ich dachte, als ich so weiterwanderte, mit Rührung an dieses Konzert und an Vita und die wunderbare CD. Später ging ich in die Stadtbücherei und hoch in den ersten Stock, wo Peter saß, mein Bekannter. Ich plauderte mit ihm, eine Frau stellte sich hinter mich, und ich trat beiseite. Dann fragte die Frau etwas, und ich hörte den Namen Morandi. Sie erkundigte sich, ob es einen Band über den italienischen Maler Giorgio Morandi gäbe. Gab es nicht. Ich war jedenfalls verblüfft. Mir fiel ein, dass ich nach Weihnachten in der Zürcher Kunsthalle war, Giovannas Cousine Valeria Vorträge über alle möglichen Maler hielt und dass Morandi der einzige Maler war, den sie kannte und nicht ich. Auch Giorgio Morandi hatte darum für mich eine gewisse Bedeutung.

Meine Analyse: Da hing in meiner unmittelbaren Zukunft das Wort Morandi. Ich würde ihm begegnen, zehn Minuten nachdem ich zum ersten Mal an der Stadtbücherei vorbeigegangen war. Mein Gehirn war frei; das Wort Morandi löste eine dazu passende Erinnerung aus, und das Schneetreiben trug dazu bei. Dass es nun ein anderer Morandi war, spielt keine Rolle; Worte sind durch ihren Klang Träger von Magie, sie ziehen einander an, und was zusammenpasst, findet zusammen. Manchmal sind es Worte, die sich reimen oder ähnlich klingen und damit unser Unbewusstes beflügeln. 

Und Emotionen müssen dabei sein. Morandi ließ mich nicht kalt, er bedeutete mir etwas, als Gianni und Giorgio (Gianni Morandi sah immer jung aus, man nannte ihn den ewigen Jungen, und im Dezember wird er 70 Jahre alt! Wie traurig er über den Tod von Lucio war!). Die kleine Episode war nur möglich, weil ich etwas dabei empfand. So ist Psi.

 

 

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