Bescherung

Etwas Ungutes kommt auf einen, und früher kam das auch von Gott, und man begrüßte es eben mit Sarkasmus. Ich saß vor meinem Abendessen, da fiel mir ein, dass man früher immer betete O Herr, sei unser Gast, und segnete, was du uns bescheret hast. Und augenblicklich fiel mir eine Stelle aus einem Jugendbuch dazu ein, quoll zwischen längst Vergessenem hervor. Es war aus dem Hornblower; ich fand sie schnell.

Ich hatte nur ein Buch aus dem elf Bände umfassenden Hornblower-Zyklus von C. S. Forester (1899-1966). Es war wohl eine Zusammenstellung aus mehreren Werken und hieß Kapitän Hornblower auf allen Meeren. Als ich 13 war, gürtete ich mich mit einem Bambusstock als Säbel, breitete Landkarten auf meinem Schreibtisch aus und spazierte in meinem Zimmer – auf dem Oberdeck – als Kapitän umher. Wenn ich heute in dem Buch herumlese, sind es Sätze, die ich kenne, die sich tief eingebrannt haben. 

Drei US-Segelschiffe, 1868 in West Point am Hudson River fotografiert (Library of Congress, Wash. D. C.)

Jedenfalls, Kapitän Hornblower ist im Jahr 1806 mit seinem Schiff Lydia und dem getreuen Ersten Offizier Bush in Westindien unterwegs, und es kommt zum Kampf gegen die Natividad, eine spanische Fregatte, die für die Franzosen unterwegs ist. Es geht in den Endkampf.

»Die ›Natividad‹ rauschte heran.« Es waren »die Kanonen ausgerannt, und auch die unteren Batteriepforten der ›Natividad‹ standen offen. ›… Und segne, was du uns bescheret hast … ‹, murmelte Bush. Diese abgedroschene Gotteslästerung konnte man damals auf jedem englischen Kriegsschiff hören, das eine Breitseite erwartete.

Die Sekunden schienen so lang wie Minuten zu sein, als die beiden Schiffe, kaum zwölf Meter entfernt, aneinander vorüberglitten. Jetzt war der Bug des einen in der Höhe des andere, nun galt dasselbe vom Fockmast, und dann passierte der Fockmast den Großtopp des Feindes. Rayner blickte nach achtern, und sowie er sah, dass das achterliche Geschütz ein Ziel fand, brüllte er den Feuerbefehl heraus. Der Rückstoß der Geschütze ließ die ›Lydia‹ überholen, und der Donner drohte die Trommelfelle zu zerreißen, aber dann – noch ehe der Sturm den Pulverqualm fortblasen konnte – erfolgte die krachende Antwort der ›Natividad‹.

Hornblower war es, als stürze der Himmel ein. Der Luftzug einer Kanonenkugel ließ ihn taumeln. Dicht neben ihm brach mit donnerndem Gepolter der Kreuztopp zusammen, Teile der Takelage rissen ihn mit zu Boden. Er fiel auf die von Blut schlüpfrigen Decksplanken, und noch während er sich aus dem Gewirr zu befreien suchte, fühlte er, dass die ›Lydia‹, ungeachtet der Bemühungen der Rudergänger, eine drehende Bewegung ausführte.

Ganz benommen kam er wieder auf die Beine. Trümmer umgaben ihn. Der Kreuzmast war etwa drei Meter über dem Oberdeck abgebrochen und hatte im Fallen die Großmarsstenge mitgenommen. Stengen, Rahen, Segel und allerlei Tauwerk trieben längsseits, da sie von den Unterwanten am Schiff festgehalten wurden. Ohne die stützende Wirkung der achteren Segel schlingerte die ›Lydia‹ hilflos vor dem Sturm.« 

Aber man räumt mit Äxten alles weg und bringt das Schiff aus der Gefahrenzone, und dann nähern sich die beiden Kontrahenten wieder einander an. Das englische Schiff wird mit überlegener Feuerkraft die spanische Fregatte kurz und klein schießen, die schließlich brennend in den Fluten versinkt.

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