Der Theaterdirektor

Der Faust ist immer gut, der Pakt mit dem Teufel; aus irgendeinem Grund holte ich die Reclam-Ausgabe heraus und blieb an den Worten des Direktors im Vorspiel auf dem Theater hängen. Viel daraus ist zu Sprichwörtern geworden, aber man muss es ganz lesen, dann kommt die Kraft des jungen Goethe zum Vorschein. (Beendet hat er den Faust aber sehr spät, ich glaube, er war schon 80.)

In dem Vorspiel ganz am Anfang des Faust unterhalten sich der Direktor, der Theaterdichter und eine lustige Person. Am Ende reicht es dem Direktor mit der Theorie, er will jetzt action, und nicht zu knapp! Also treibt er seine Leute an, und das tut er so:

Der Worte sind genug gewechselt,
Lasst mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Was hilft es, viel von Stimmung reden?
Dem Zaudernden erscheint sie nie.
Gebt ihr euch einmal für Poeten,
So kommandiert die Poesie.
Euch ist bekannt, was wir bedürfen,
Wir wollen stark Getränke schlürfen;
Nun braut mir unverzüglich dran!
Was heute nicht geschah, ist morgen nicht getan,
Und keinen Tag soll man verpassen,
Das Mögliche soll der Entschluss
Beherzt sogleich beim Schopfe fasssen,
Er will es dann nicht fahren lassen,
Und wirket weiter, weil er muss.

Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen
Probiert ein jeder, was er mag;
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschinen.
Gebraucht das groß’ und kleine Himmelslicht,
Die Sterne dürfet ihr verschwenden;
An Wasser, Feuer, Felsenwänden,
An Tier und Vögeln fehlt es nicht.
So schreitet in dem engen Bretterhaus
Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,
Und wandelt mit bedächt’ger Schnelle
Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.  

 

Genau: Zeigt uns die Welt so bunt und grell, wie sie sein könnte! Keine Kompromisse! Hinein ins volle Menschenleben! Keine halben Sachen! Und was für die Kunst richtig scheint, könnte auch im Leben nicht schaden.

Einen Kommentar schreiben: