Rettet den Bindestrich!

Werbung für Gold. Da steht die Web-Adresse, und eine Stimme sagt: »Degussa minus Goldhandel-De-E.« Was ist Degussa ohne seinen Goldhandel? Nichts. Degussa ist Goldhandel. Was wäre meine Sparkasse »minus Staufen minus Breisach«? Eine Bank ohne Heimat, ohne Sitz. Ich weiß nicht, wie es zu diesem Schwachsinn kam.

Überhaupt ist der Bindestrich ein aussterbendes Zeichen. Man hält anscheinend nichts mehr von Verbindendem, man setzt ruppig Substantive nebeneinander: »Ihr Auto Händler hält die neuesten Luxus Modelle für Sie bereit. Eine Probe Fahrt schenkt Ihnen Fahr Spass.« (Erfundenes Beispiel; so schlimm ist es noch nicht.) 

Der Rechtschreib-Duden (meine 24. Ausgabe) widmet dem Bindestrich immer noch die Kapitel K 21 bis 31. Da ist alles geregelt. Man müsste schön Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße schreiben oder Alter-Bücher-Flohmarkt. Befremdlich, dass der Bindestrich schon auf Plakaten großer Firmen fälschlicherweise unterbleibt; man meint, solche Firmen hätten genug Geld und Zeit, den Text richtig in Druck zu geben. (Da reicht ein Blick, etwa mein Blick!) Aber sie wissen es einfach nicht und machen es einfach so, weil’s allen eigentlich egal ist.

Und dann hat man mal Bindestriche (zu unterscheiden vom viel längeren Gedankenstrich, auch vom Streckenstrich, der dazwischen liegt) in den Internet-Adressen, und dann werden sie mathematisch ausgesprochen, als minus. Seid doch nicht so negativ!

Dann … fuhr ich nach Freiburg und sah am Pressehaus der Badischen Zeitung eine Werbung für eine Artikelserie. »Jetzt mal langsam – so entspannen Sie richtig!« Die transitiven Verben sind auch etwas, das untergeht. Denn ich entspanne mich, wen denn sonst? Denn ich entspanne meinen Körper. Ich entspanne nicht so allgemein, ich entspanne etwas: mich. Meinen Körper. Ich entspanne nicht dich, auch wenn ich das gern täte, ich erhole mich (und nicht dich, auch wenn ich das gern täte).  Aber sich ist schon zu kompliziert, sogar für eine Zeitung, die auch noch groß plakatieren muss, dass sie unfähig ist.   

 

2 Kommentare zu “Rettet den Bindestrich!”

  1. Regina

    Lieber Manfred,
    Grammatik – „Oh, wie ist es kalt geworden und so traurig, öd und leer!
    Rauhe Winde wehn von Norden, und die Sonne scheint nicht mehr“…

    der Gedankenstrich: „er gehört zu den Sonderzeichen, bei denen die Setzung weniger durch verbindliche Regeln vorgeschrieben wird“. Sehr sympathisch. – Oh, wie freut es mich, dass ich Sie endlich einmal wieder sehe! Ciao Regina

  2. Renate Frank

    Habe ich grade von einem jungen Kollegen gelernt: Das nennt man heute „Business-Sprech“, wenn Content Manager von Dingen reden, von denen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Ahnung haben – finde ich herrlich!

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