Marconi und die Titanic

Heute vor 102 Jahren ist der britische Luxusliner Titanic gesunken. Als es genau 100 Jahre zurück lag, war manipogo noch nicht auf Sendung, denn ich hätte wunderbares Material gehabt. Das bringen wir dann am 103. Jahrestag. Jedenfalls: Guglielmo Marconi (1874-1937), der Erfinder der drahtlosen Telegrafie und des Radios, wollte an Bord der Titanic über den Atlantic reisen.

In der Biografie Marconi (1940) schreibt der Autor Luigi Solari, Marconi selber habe ihm mitgeteilt, er werde nun doch nicht mit der Titanic fahren. Er habe einen Stapel Briefe hier, die er beantworten müsse, darum nehme er lieber die Lusitania, die zwei Tage später in See steche. (Diese Lusitania wurde dann drei Jahre später, am 7. Mai 1915, von einem deutschen U-Boot versenkt, und 12oo Menschen gingen mit ihr unter. Das führte dazu, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Deutschland den Krieg erklärten.) 

Bild aus der Library of Congress, Washington D. C.

Marconi hatte Glück. William Thomas Stead (1849-1912), ein prominenter polemischer Zeitungsredakteur und Verleger, hatte weniger Glück. Er ging mit der Titanic unter und war das bekannteste Opfer. Dabei hatte ihn ein Wahrsager vor der Reise gewarnt, er aber, obwohl zuweilen im Kontakt mit Geistern, hatte die Warnung in den Wind geschlagen. Jemand will Stead im Lesesaal des Schiffes gesehen haben, als er gemütlich Zeitungen durchblätterte, während der Gigant sich schon neigte.  

Solari: »Am Morgen des 15. April 1912 erschienen auf den Seiten von Zeitungen in aller Welt die ersten konfusen Nachrichten über das Schicksal der Titanic, die einen Eisberg gerammt hatte. Am Nachmittag desselben Tages ging die tragische Nachricht des Untergangs der Titanic, wobei 1712 Passagiere den nassen Tod fanden, um den Erdball.« 700 Menschen hatten Rettungsboote bestiegen oder waren am frühen Morgen (die Titanic rammte den Berg am 14. April um 23.40 Uhr unserer Zeit) von den Schiffen Carpathia, Olympic und anderen Booten aufgefischt worden.  

Der »Marconi-Telegraf« hatte sie an den Ort gebracht, aber ein englischer Frachter, der nahe vorbeifuhr, hatte leider kein Radio an Bord. So hätten mehr Menschen gerettet werden können. Um 1.30 Uhr am 15. April drang Wasser in die Titanic ein, es gab aber zuwenig Rettungsboote für alle, weil das Schiff ja als unsinkbar gegolten hatte; um 2.10 Uhr hob sich das Heck, und der Bug tauchte ins Meer ein. Um 3.10 Uhr war endlich die Carpathia zur Stelle.  

»Die Überlebenden der Titanic defilierten in einer religiös anmutenden Prozession die Straßen von New York entlang und drückten ihre Dankbarkeit dem Retter ihrer Leben aus, dem sie eine große Medaille überreichten, gestaltet durch den russischen Fürsten und Bildhauer Pavlo Trubetzkoj.« Marconi wurde also geehrt, und das kommt uns heute seltsam vor. Aber seine Erfindung war noch nicht alt, sein Name weltbekannt, und man schrieb ihm die Rettung zu.

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