Guiglielmo Marconi

Das Leben von Marconi hatte mich interessiert, und unglaublich, dass die Universitätsbibliothek Freiburg ein Buch von 1940 hatte, drei Jahre nach seinem Tod, auf Italienisch. Der Autor Luigi Solari war wohl adelig und verkehrte in den höchsten Kreisen, traf mal den Papst und mal Seine Majestät den König.

Aber dann las es sich doch enttäuschend. Denn Marconi wirkt nicht besonders sympathisch. Aufgewachsen ist er in Bologna, dann verbrachte er ein paar Jahre in Livorno und Florenz, und lange Zeit hielt er sich in England auf. Seine Mutter war Irin, er sprach also perfekt Englisch und kannte sich in der Welt aus. Schon als junger Mann widmete er sich wie besessen seiner Arbeit, und Solari zitiert seitenweise seine Monologe.  

Guglielmo (Wilhelm) Marconi war 27 Jahre alt, als die ersten drahtlosen Signale über den Atlantik gelangten, was ihm zu verdanken war. Er gründete eine große Firma, verhandelte mit Regierungen vieler Länder, reiste andauernd durch die Welt und experimentierte in Cornwall, Neufundland und Italien. Er war ein kühler Rechner und methodischer Mensch, und ein typischer Vertreter des gehobenen Bürgertums. Man müsse, sagte er, möglichst viel verdienen und möglichst wenig ausgeben.   

Aber dann wirkt es penetrant, wie der Autor seinen besten Freund immer als guten Patrioten hinstellt. Dauernd sagt er, dass er Italien helfen wolle, dass er sich in den Dienst seines Vaterlandes stelle … es war das Jahr 1940, Mussolini regierte, der Krieg hatte begonnen, und da wollte man natürlich gern einen weltgewandten, erfolgreichen Italiener präsentieren, der sein Land liebt, das ihm dann doch immer wieder bitter enttäuscht, weil dort viele patriotisch reden, aber dann, wenn es ernst wird, lieber an die eigene Kasse denken.  

Solari und Marconi hatten gute Verbindungen. Aber Marconi konnte auch arrogant sein und war ein Streber, der Glück hatte. Wegen seiner Verdienste bekam er 1909 den Physik-Nobelpreis – dabei war er alles andere als ein Denker, sondern nur ein cleverer Ingenieur. Man machte ihn zum Senator seines Landes; und nun sollten ihn alle als Senator anreden, forderte er. 1919 schrieb ihm Solari, er solle doch in die Faschistische Partei Mussolinis eintreten. 

 

Fünf Jahre später folgt Marconi seinem Rat, nachdem er Benito Mussolini kennengelernt hatte und ihn bewunderte. Er tue den Schritt »aus Überzeugung, nicht aus Bequemlichkeit«, bekundete er; und das wiederholte er noch einmal, damit alle es wissen sollten. Mussolini fuhr mit Marconi auf dessen Yacht »Elettra« herum (Bild oben, aus dem Buch, etwa aus dem Jahr 1930), doch wie alles endete, erfuhr Guglielmo Marconi nicht mehr, da er im Juli 1937 an seiner Herzkrankheit starb, 67 Jahre alt. (Italien schlug sich auf die Seite der Deutschen, um – wie Ungarn – zu profitieren; 1944 kamen die Alliierten von Süden, wurden aufgehalten; noch einmal verbreiteten die Deurschen acht Monate Furcht und Terror, bis dann der Untergang kam. Mussolini wurde gelyncht.)  

Dennoch wird Marconis Andenken hochgehalten. Er hat ja auch mit dem Papst 1930 Radio Vatikan gegründet! Es gibt keine größere Stadt in Italien, die nicht eine Viale Marconi aufweist und an diesen geschäftstüchtigen hartnäckigen Ingenieur erinnert, der sich als elitärer Aufsteiger mit Rolls-Royce bewies, dem Papst und dem König hofierte und Sympathien für den Faschismus hatte.

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