Placebo

Placebo heißt ein Krimi der litauischen Autorin Jurga Ivanauskaitè und ist 2005 beim Deutschen Taschenbuch-Verlag in München in der Reihe Premium erschienen. Wegen des Titels hatte ich ihn mir geholt, aber dann doch bloß angelesen und überflogen. 434 Seiten waren mir zu viel. Dennoch ein paar Gedanken dazu.

Es ist ein typischer Krimi, und man kann die Elemente gut herausarbeiten. Klappentext: »Der gewaltsame Tod der schönen und erfolgreichen Julija erschüttert ganz Vilnius. Sie war eine elegante, eindrucksvolle Erscheinung und eine prominente Wahrsagerin, bei der die Spitzen der Gesellschaft verkehrten. War es Mord? Stecken politische Kreise dahinter? Oder etwa die Mafia?« 

Ja, da ist alles beisammen. Die Schönen, Reichen und Erfolgreichen, das Okkulte (die Wahrsagerin), Erotik (eine attraktive Frau), dunkle Machenschaften der Politik (auch das: okkult, also verborgen) und – ein Rätsel. War es Mord? Also mitten rein in die Geschichte. So fängt es an:  

»Am Anfang ein blendend weißer Blitz. Dann ein langer Fall. Ein dumpfer Ton beim Aufprall auf etwas Hartes. Auf den Boden? Doch von wo? Aus dem Himmel? Was war geschehen? Ein Flugzeugabsturz? Wenn ja, wohin ging der Flug und warum hatte sie ihn unternommen? Sie vermochte sich nicht zu erinnern? Tod? Nein, sie dachte, also lebte sie. Aber was waren diese Gedenken schon wert …« So konfus geht es auch weiter. Man könnte gleich aufhören zu lesen. Aber Krimileser sind hartnäckig. Die lesen trotzdem weiter. Solche Passagen findet man oft in Krimis. Die Autoren halten derlei sinnlose, aneinandergereihte Splitter für literarisch.  

Jedenfalls merkt man nach vier Seiten, dass sie tot ist. Julija sieht die tote Julija, und auf Seite sechs greift der Geist sogar zur Zahnbürste, um sich die Zähne zu putzen; ein echter Geist könnte sie gar nicht greifen, weil er keinen Körper mehr hat. Er greift durch alles hindurch. Mir war jedenfalls nach sechs Seiten Konfusion (eigentlich schon vorher) die Lust vergangen. Man muss nur noch drin herumlesen und sich den Schluss vornehmen, der nicht einmal besonders originell ist.  

Da gibt es wohl eine Organisation, die Placebo heißt. Aber was die tut, ist an den Haaren herbeigezogen und soll wohl ein Science-Fiction-Element sein, aber ich halte es einfach für Käse. Alles sonst ist konventionell erzählt, eine Journalistin namens Rita ermittelt, und die Autorin hat sich eben in Julija und Rita verkörpert, bietet viele Rückblicke auf Julijas Leben, aber man findet kaum eine Stelle, die einen fesselt und wo man weiterlesen möchte.  

So sind eben viele Krimis: konventionell geschrieben und mit willkürlichem Beiwerk versetzt, Masse statt Klasse. Es ist, als würde jemand mir einen Korb mit Äpfeln hinkippen und sagen: Friss das mal. In Krimis wird gnadenlos drauflos erzählt, man wird mit einem Schwall von Worten bedacht, alles wird ausgemalt und zugedeckt, und am Ende, wenn man sich durch die ganze Konfusion durchgearbeitet hat, ist man nicht einmal froh. Man ist nur froh, dass es vorbei ist, denke ich mir; und ich war froh, mir dieses Gefühl erspart zu haben.

 

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