Frühlingsgedichte

Zum Frühling ein paar Gedichte aus der japanischen Heian-Periode, die vom 8. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts dauerte. Ich übersetze die französischen Versionen, die Bernard Frank erstellte und die in der Anthologie de la poésie japonaise classique (Gallimard, Paris) veröffentlicht wurden.

Es ist immer im Frühjahr,
dass sie ihre Fäden abspulen, 
die grünenden Weiden,
und dass sich in hübscher Unordnung
alle ihre Blüten öffnen.

(anonym)

 

Im Frühling,
wenn tausende Vöglein zwitschern,
erneuern sich
alle Dinge,
nur ich altere.

(anonym)

 

Der Frühling ist da.
Dennoch tränkt keine Blume mit ihrem Duft
das Bergdorf.
Melancholisch ist der Gesang,
den die Nachtigall hören lässt

(Ariwara no Munehari, gest. 898)

Im Frühjahr hebt sich der Nebel
auf dem Berg
in der Ferne,
aber der Wind, der weht,
trägt den Duft seiner Blumen her. 

(Ariwara no Motekata)

 

Der Frühling ist erschienen
Besucher kommen zu mir
in mein Dorf in den Bergen,
denn zahlreiche Blumen
schmücken mein Haus. 

(Fujiwara no Kintô, 966-1041)

Ja, ohne Euch zu sehen,
muss diese Nacht vorübergehen,
so lange,
wie ein Tag im Frühjahr dauert.
Ich könnte mir denken, dass Ihr grausam seid

(Minamoto no Muneyuki, gest. 940)

 

 

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