Addiopizzo

Natürlich sieht man die Mafia nicht, wenn man in Sizlien mit dem Rad unterwegs ist. Gut, am Strand von Isola delle Femmine bei Palermo standen zwei schwarz gekleidete Männer mit einem schwarzen Mercedes und montierten einen Fotoapparat, und ein weiterer schwarzer Mercedes stand daneben, aber ich wollte nicht fragen. Und der Campingplatz Il Biscione war merkwürdig …

Auf diesem Campingplatz war, wie geschildert, kein Mensch, das Restaurant wirkte luxuriös, hatte aber normale Preise. Der Chef des Campingplatzes fuhr einen cremefarbenen großen Mercedes, unterhielt sich lange mit einem alten Mann, der mit einem andren Mercedes (und dicker Tochter) gekommen war, und die Gäste im Restaurant waren zum Teil junge Männer, die sich übertrieben erwachsen gaben und ihre (zum Teil dicken) Partnerinnen ausführten. Die Stimmung war etwas befremdlich. Mehr habe ich nicht beobachtet.

Laut Giornale di Sicilia erhielt die Bürgermeisterin der Insel Linosa, Susanna Errera, einen anonymen Zettel, auf dem stand: »Tritt zurück, wenn du nicht ein schreckliches Ende nehmen willst.« Da gibt es Probleme mit der Bauverordnung, und jemand war da ungalant. Das Inselchen bei Lampedusa misst vielleicht vier auf drei Kilometer, und darauf findet sich ein 195 Meter hoher Berg. Im Hauptort können nicht mehr als ein paar hundert Menschen wohnen. 

In Agrigent geht der Prozess Nuova Cupola weiter, unter Leitung von Luisa Turco. Zwei junge Männer setzten den Eingang einer Pizzeria in Siculiana im April 2011 in Brand, um die Eigner unter Druck zu setzen. Ein Jahr später nahm die Polizei 54 Personen fest, von denen nun neun in Agrigent unter Anklage stehen.

Und dann feierte die Organisation Addiopizzo in Palermo 10-jähriges Jubiläum. Sie wurde gegründet, um ein Zeichen zu setzen. 878 Geschäfte gehören dazu und erklären, sie wollten kein Schutzgeld (pizzo) zahlen, das so gesparte Geld aber für gute Zwecke verwenden. Präsident Daniele Marannano sagte, die Vereinigung sei immer noch eine Avantgarde. Die echte Mafia wird darüber grinsen. Groß ist eben der Mut und das Engagement der Bevölkerung nicht, die lieber ihre Ruhe will.

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