Ronin

In Landsberg am Lech sind Ronin aufgetreten, eine Zürcher Jazzband, die genau Nik Bärtsch’s Ronin heißt. Heißt heißt in der Schweiz ja heisst, und den Apostroph verzeihen wir ihnen, weil’s eine außerordentliche Band ist.

Ziemlich dämonisch, das alles, Ronin spielt durch ohne Pause und mit beängstigender Präzision. Viele Rhythmuswechsel gibt es und wenig Melodie, die man ohnehin nicht so braucht (wie ich auch finde, dass die Handlung in Büchern überschätzt wird), und die 4 Musiker sind hervorragende Könner, die einen in ihre düstere Landschaft entführen.

Geisterbild: von links Nik Bärtsch (piano), Sha (Saxofon), Kaspar Rast (drums), Thomy Jordi (Bass)

Ein Ronin ist ein Samurai ohne daimyo, also ohne Chef, und Nik Bärtsch und seine Leute kleiden sich in Schwarz und verabschieden sich mit vor dem Brustkorb gefalteten Hände. Bärtsch, der Mann an den Tasten, hat schon mit seinem Saxofonisten Sha stundenlang gespielt, improvisiert, sich wiederholt, alles sehr Zen-mäßig, und ein Kommentator schrieb, Steve Reich, der Prophet der minimal music, hätte daran seine helle Freude.

Ich fand es klangmalerisch, und ich saß so in der ersten Reihe (der Schlagzeuger über mir) und dachte an die Szenen meines Romans, und manches passte wunderbar zu einem heißen Tag in Rom, anderes zu Chaos und Verderben, und wir nennen es mal Jazz, doch es ist eben Ronin.

Nach dem Konzert redeten wir noch, und eine Bekannte, PR-Frau und Journalistin, erzählte mir von einer Kollegin, die fünf Krimis geschrieben hatte, von denen einer Der Sünde Sold heißt und der andere Verflucht seist du. Stehen auf allen Bestsellerlisten weit oben. Grausame Bluttaten, männlicher Kommissar, blonde attraktive Mitarbeiterin.

Da schreibt also eine vielleicht ganz unscheinbare Frau, die sonst Werbetexte für Kakao fabriziert, Krimis, die heißen Verflucht seist du, um reich zu werden und berühmt, und ich dachte mir: Das eigentlich ist das Böse in der Welt. Schafft überflüssigen negativen Mist, der auch noch gelesen wird. Die Autorin schreibt über das Böse und verkörpert es, ohne es zu wissen.

Ich bin nicht neidisch. Ich finde aber, man muss über das Gute und das Traurige schreiben, und die Figuren dürfen nicht Abziehbilder sein. Wir merken uns aber Nik Bärtsch’s Ronin.  

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