Brazil 88

Endlich kommt ein Beitrag über Brasilien, kurz vor Torschluss, also ein Fall von Torschluss-Panik, verwandt mit der Torschuss-Panik, die man extra einmal erörtern sollte. Nie das Buch eines brasilianischen Autors gelesen, aber die Musik kennt man, angefangen von dem über 50 Jahre alten Schmeichelsong The Girl from Ipanema.

Ich war Redakteur in Hamburg, zuständig nebenher für Rockmusik, und die Plattenfirma CBS wollte brasilianische Musik promoten und rief im Sommer 1988 zu Viva Brazil 88. CBS, das waren vor allem zwei attraktive PR-Frauen, eine hieß Martina, und sie war blond, langbeinig, mit eisblauen Augen. Da war noch ein anderer Journalist, der immer in den CBS-Räumen anzutreffen war und ein wenig die zweite Mitarbeiterin anschwärmte, Martinas Chefin.

Wir beiden Journalisten waren wie Satelliten, die um das Zentralgestirn CBS Hamburg kreisten, aber wie Satelliten, die immer nur kreisen und schauen und niemals sich dem betrachteten Objekt nähern können (außer, sie stürzen ab; oder: Wenn sie das wollen, stürzen sie ab), wurde natürlich nie etwas daraus. Ich erinnere mich, mit Martina bei einem Abendessen zu zweit gewesen zu sein, und dann fuhr sie mich nach Hause, und nun hätte ich die richtige Formulierung finden müssen, um sie zu mir zu lotsen, es war die entscheidende Sekunde, und ich sagte etwas Falsches. Vielleicht hatte der Kollege Glück.

Im Mai 1988 flog ich mit einer Einladung nach Nottingham zu einem Konzert von Fleetwood Mac, unten blühten gelb die Rapsfelder, und wir sprachen im Flugzeug kräftig den alkoholischen Freigetränken zu, und in der Begeisterung schrieb ich Martina einen Brief, der ihr gefiel, wie sie mir später sagte, ihren Freund an der Seite, einen langweiligen Businesstyp. Das war das.

Die brasilianische Musik ist aber toll, und das Konzert im Stadtpark am 24. Juni 1988 war wohl auch schön. Der Musiker hieß João Bosco, und von der Platte (Aiaiai de Mim) sind As Minas do Mar und Pirata Azul hörenswert. Kommt alles von fern her, schwebt melodisch, und dann übernimmt ein Samba-Bass, das schwingt plötzlich dahin mit Chor und trotzdem seidenweich. Gesprochen klingt Portugiesisch nicht besonders, gesungen ist es ein Traum!

Und da liest sich die Mannschaftsaufstellung wie Poesie:

Harvey Moson (Schlagzeug), Nico Assunção (Bass), João Bosco (Viola), Marçal Jr. (Perkussion), Vera Ranevsky (Harfe). Chor: Fernando Adour, Simiana, Elizabeth, Viviane und Solange.

Viva Brazil 2014!

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