Trey Gunn

Hörte mir auf youtube Eyes Wide Open von King Crimson an und sah rechts in der Leiste ein Angebot: Trey Gunn spricht auf Original Voice über seine Musik. Ich schätze Theorie und Leute, die sich über das Gedanken machen, was sie tun. Und die 30 Minuten sind richtig gut.

Trey Gunn ist Dezember 1960 in Texas geboren und war von 1994 bis 2003 Bassist von King Crimson. Original Voice ist wohl eine Veranstaltung, bei dem die Kunstschule Seattle Künstler einlädt, über sich zu sprechen – oder über die originale Stimme: die Authentizität.

Trey Gunn ist der richtige Mann dafür: Er fing vor 25 Jahren an, seine Gitarre ganz anders zu bearbeiten als andere. Auf dem youtube-Beitrag spielt er erst drei Minuten ein Stück. Da sieht man es, und auch bei den damaligen KC-Konzerten. Gunn hat eine Gitarre mit Bass- und E-Gitarre-Saiten, also mit einem extrem breiten Bund, und er spielt weit oben, mit ganz leicht sich darüber hinbewegenden Fingern. Einzigartig.

Gunn ist witzig, pragmatisch und so direkt, dass ich dachte, dieser Texaner ist uns Bayern verwandt. Er wies gleich auf eine Absurdität hin: Wie könne man nicht authentisch sein? Aber dann: Wie findest du deine persönliche Stimme, deinen eigenen Ausdruck? Wo sind die markers? »Ich beobachte mich irgendwie. Doch: bemerke, was du bemerkst.«

Eigentlich ist es ja einfach: Tu, was du am besten kannst und was dir am meisten Spaß macht. Was hindert uns daran? Na ja, man möchte ja Erfolg haben und kopiert eben andere, ohne groß darüber nachzudenken; geht man seinen eigenen Weg, wird es Probleme geben. Andere sagen dann: Was ist das denn? Damit können wir nichts anfangen. Warum machst du so komische Sachen?

Da muss man durch. Damit man das durchsteht, rät Trey Gunn: Mach viele verschiedene Sachen. Und halte dich von den Genres fern! (Schreib keine Krimis, zum Beispiel!) Die verderben dich schnell. Du kannst natürlich etwas finden, was keiner macht und was in deinem Feld fehlt. Warum hat das noch keiner gemacht? Mach ich es eben. (Das ist die Marktlücke.)

Wichtige Frage: Wie bringe ich ein Publikum in einen angeregten Zustand? Antwort: BFA. Be Fucking Amazing: Sei verdammt verblüffend. Aber auch: BFI. Be Financially Indipendent: Sei finanziell unabhängig. Manchmal kommen ein Jahr keine Einkünfte, erzählte Gunn aus seinem Leben, da müsse man sich eben einschränken können. Außerdem: BFA 2: Be Fucking Authentic. Sei verdammt authentisch. Du bist, wie du bist, keiner kann so sein wie du. Mach dir danach einen Namen. Halte an deinen Visionen fest. Keine Kompromisse. Go forth and multiplex your brillance: Geh hin und vervielfache deine Brillanz.

Alles irgendwie logisch und oft gehört, alles einfach … und doch schwierig. Viele halten sich für individuell und sind es nicht. Wer seinen Weg findet, sagt Trey Gunn, wird ein glückliches Leben führen, und seine Karriere dauert länger.

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