Kunstnacht

Die Lange Kunstnacht in Landsberg fand zum 14. Mal statt, ich war zum zweiten Mal dabei. Es war keine Nacht, und mit Kunst hatte sie auch wenig zu tun, aber die Stadt war schön beleuchtet, und so viele Menschen drängten sich noch nie in der Alten Bergstraße, von der eine dunkle Gasse abzweigte, und dahinter ragten dunkel Häuser auf.

Ich sah hinein und dachte an Civitavecchia am Tyrrhenischen Meer, an das ungepflegte, zerzauste, einfache Civitavecchia, und Wehmut überfiel mich. In Landsberg ist Geld, die Menschen sind gut gekleidet, mittelalte seriöse Paare zumeist sind es, die sich Malerei anschauen und wichtig tun. Am Sandauer Tor saß noch vor wenigen Jahren Konrad, der Antiquar, in einem Schaufenster und tippte Bestellungen in seinen Laptop, sah mich, und drinnen wartete sein angestaubtes Angebot.

Das Haus aus dem 17. Jahrhundert ist nun renoviert, und drinnen gibt es Antiquitäten. In einer Stadt mit Geld bleibt keine Ecke ungesehen, alles wird von Immobilienhaien erspäht, erneuert und neu angeboten, der Kommerz siedelt sich überall an und vertreibt die Schwächeren, die sich dann woanders ansiedeln und Internetgeschäfte machen, weil man dafür keine repräsentative Adresse braucht.

In München, sagt ein mir bekannter Architekt, werden alte Häuser aufwendig saniert, und die Bewohner dürfen danach wieder einziehen, doch die Miete ist so hoch, dass sie sie nicht mehr zahlen können. Für die neuen Bewohner finden sich dann neue Läden ein, die anbieten, was diese Bewohner brauchen könnten. Das sind dann kleine Einrichtungshäuser, Cafés, Esoterik und Klimbim – wie in Landsberg. Die armen Alten wohnen dann, abgedrängt, woanders, wo vielleicht noch ein Lebensmittelgeschäft in der Nähe ist.

Das ist dann Gettobildung. Die Ärmeren auf einem Haufen, die Besserverdienenden woanders, das Gewerbegebiet weit weg, und weite Wege zu dem, was früher einmal in der Nähe lag … in der Alten Bergstraße gab es früher Metzger und Bäcker, aber das ist lange her: heute Friseure, Art deco, Strickwaren, Designobjektverkäufer.

Ich wüsste nicht, was ich mit diesen gutsituierten Paaren und auch den niveauvollen, geschmackvoll gekleideten Mädchen reden könnte, alle so verfeinert und auf Stil bedacht, sich selber verkaufend; in Civitavecchia bei einem Straßenfest, denke ich mir, würde ich einen Wein trinken und mich mit normalen Leuten normal unterhalten.

 

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