Flugverkehr (28): Jenseits von Jenseits

Ernst Meister lebte von 1911 bis 1979 in Hagen (Westfalen). Posthum bekam er den Büchner-Preis. Einen Luchterhand-Band mit seinen Gedichten nehme ich gerne mit, und das schönste daraus heißt Jenseits von Jenseits, von dem nur ein Auszug abgedruckt ist. Oft kommen in dem Gedicht Vögel vor.

Abwesend zu sein,
begehr ich,
zu schlafen auf
gewesenem Hall der Glocken,
dort, wo der Abschied
ein Gewand anzog.

So fängt es an. Ich kann es auswendig. Hier also nur ein Auszug des Auszugs.

Die Vögel aber,
die im Staube baden,
werden Recht behalten,
denn du
bist gegen dich;
du beginnst,
Kronen zu tragen aus
erstarrendem Wogenschaum,
von hoher See
her aus
dem Eigensinn gewünscht,
und die Abendrubine
heftest du daran
und weißt nicht,
warum diese Unlust.

(…)

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auf dem Dach
der Kapelle
halten die Tauben
Konzil.
Oberster Rat
ist die Palme
.

Jeden Morgen sitzen bei mir zwei Tauben auf dem Dachfirst gegenüber und turteln. Ein Konzil der Liebe.

Dann der Schlussakkord:

Noch einmal flog
ein Vogelschwarm
an uns vorbei,
in den Augen
ein anderes Licht
(nicht aus Nestern
des Himmels noch
der Erde).

Jenseits von
Jenseits. Die
Schnäbel rubinen.

∞ ∞ ∞

(Illustration: Vögel am Kochelsee, Helmut Krämer.)

 

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