Trastevere

Giovanna, die heilige Johanna, hält sich dieses Wochenende mit ihrem 12-köpfigen Team (von der Schweizer Versicherung Suva) in Rom auf. Es ist ein Betriebsausflug, wie von einer Fußballmannschaft. Sie hat sich ein Hotel in Trastevere ausgesucht und sogar einen Reiseleiter in deutscher Sprache gefunden. Und wo werden sie da herumlaufen und herumfahren, und ich denke, ich werde das nächste Woche tun.

Trastevere heißt, wie auch in Tod amTiber steht (das sich nun im freien Fall befindet, bei amazon auf Platz 1.771.000, auf deutsch: eine Million sieben hunderttausend Bücher in diesem Land verkaufen sich besser, sind aber nicht besser), tras-tevere, also jenseits des Tiber, auf der anderen Seite des Flusses, vom Stadtzentrum aus gesehen. War immer ein Proleten-Viertel, wie andere nun schick geworden, »angesagt«, es gibt viele kleine Restaurants und Kunstgewerbeläden, die Basilika Santa Maria, und die Touristen laufen durch die Gassen. Ein Barbesitzer aus der Aurelia hatte einen Roman geschrieben (Il primo caffè del mattino), und der Verleger überredete ihn, das Café in Trastevere anzusiedeln. Dann verkaufe es sich besser. Das Buch wurde ein Bestseller.

Auch der Film Pranzo di Ferragosto (Das Festmahl im August) von Gianni di Gregorio, 2008 gedreht, spielt in Trastevere und bietet einen guten Blick ins Viertel. https://www.youtube.com/watch?v=6W9JakdEZH4

Es ist ein Film mit uralten Damen, die zum ersten Mal vor der Kamera standen, und ich erinnere mich, dass es ein unterhaltsamer Film ist.

Trastevere ist für mich am schönsten im Winter und auch spät nachts. Ich erinnere mich (als wär’s aus einem andern Leben), dass ich morgens in der Zeitung nachschaute, was das Kino Pasquino (Piazza Santa Maria) brachte, es gab immer Filme im Original, und wenn ich Lust hatte auf den Film um 16.30 Uhr, radelte ich über den Gianicolo, band mein Rad an und sah den Film, oft mit nur zwei anderen Besuchern.

Hinterher war’s halb sieben, wenn der Film vorbei war, leicht neblig und dunkel schon im November, leer lagen die Gassen da, wie in Trance band ich mein Rad los und fuhr los, man hörte die Reifen über den Asphalt streifen, und manchmal fuhr ich gleich in meine Kneipe, die um sechs Uhr aufgemacht hatte. U2 hören, ein Weißbier trinken.

Romano wird den Schock über die hohe Niederlage der AS Roma gegen Bayern München wohl schon verwunden haben. Das war vergangenen Dienstag, er wird mit zwei seiner Söhne vor dem großen Fernseher gesessen sein (oder waren sie etwa im Stadion?) – und dann stand es 0:5 zur Halbzeit. Die Bayern (und die Deutschen, gegen Brasilien) sind eben derzeit kannibalisch drauf … weil einfach zu gut. Die Römer seien zu Recht für ihr körperloses Spiel bestraft worden, hieß es im Kicker. Was das heißen soll, versteht man nicht so recht. Ihr Trainer heißt Rudi – Rudi García. Sagte ich sicher schon.

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