Konzilsjubiläum

Gestern vor 600 Jahren begann das Konstanzer Konzil, das sich zu einer längeren Veranstaltung auswuchs, denn es endete erst im April 1418, und die Stadt Konstanz droht ein Begleitprogramm bis 2018 an. Dazu gehört auch eine Radtour (das Jubiläum entnahm ich der Zeitschrift des ADFC, des deutschen Fahrradclubs)!

Auf der 47 Kilometer langen Radfahrt kann man nachvollziehen, wie ein Papst aus der Bodenseestadt nach Schaffhausen flüchtete und noch weiter nach Freiburg im Breisgau. Damals, 1414, war die Lage unübersichtlich. Es gab gleich drei Päpste. 1378 hatten die Kardinäle einen Gegenpapst gewählt, weil sie mit Urban VI. unzufrieden waren. 1409 setzte das Konzil von Pisa beide ab und wählte einen dritten. Die beiden anderen wirkten weiter, unterstützt von unterschiedlichen Herrschern. Man hatte also Gregor XII. in Rom, Benedikt XIII. in Avignon und Johannes in Pisa, der am 5. November 1414 das Konstanzer Konzil eröffnete.

Er war es auch, der flüchtete (und weil er kein echter Papst war, konnte es im 20. Jahrhundert einen zweiten Johannes XIII. geben), weil man ihn zum Rücktritt gezwungen hatte. Das Konzil hatte also keinen Papst mehr, also beschloss man, es Christus höchstselbst zu unterstellen. Nachdem Gregor zurückgetreten und Benedikt abgesetzt worden war, konnten die Bischöfe am 8. November 1417 in Konstanz zur Papstwahl schreiten, der ersten und einzigen auf deutschem Boden. Kardinal Odo Colonna wurde Papst Martin V., die Lage war geklärt, und Martin beendete 1418 auch das lange Konzil.

Das Konzil stellte sich gegen Tyrannenmord, verurteilte den Rebellen Jan Hus, der 1415 verbrannt wurde, aber echte Reformen blieben aus. Auch das nachfolgende Konzil in Basel (ab 1437) schaffte das nicht, und Luther erst mit seinen Thesen stellte die Missstände heraus und wurde auch zur Kraft, die zur Spaltung der Kirche führte.

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