Pfullendorf

Ich fuhr nach Bayern, um den Umzug meiner Mutter voranzutreiben, und in der Nähe von Meßkirch, Heideggers Geburtsstadt, liegt Pfullendorf. Gab es da nicht in der Zwischenkriegszeit einen esoterischen Verlag? Ich schaute mir die Stadt an – und jetzt, zurückgekehrt, sehe ich, dass es Pfullingen war. (Aber schon im Auto, auf der Fahrt dorthin, war ich mir unsicher gewesen bezüglich Pfullendorfs.)

Erst zu Pfullingen. Ich lese bei Wikipedia, dass der deutsche Verleger Victor Schweizer (1872-1935) erst in Leipzig tätig war und dann 1919 die Zeitschrift Die Okkulte Welt übernahm, die sich neuen Lebensformen, östlichem Gedankengut und der Esoterik widmete. In ihr erschienen wichtige Werke der Parapsychologie. Am 1 November 1920 meldete er die Zeitschrift in Pfullingen an. Victor Schweizer förderte die damalige Neugeist-Bewegung. Die 1920er Jahre waren bunt und produktiv. Der ganze neue Geist sah 1933 mit dem Aufstieg der NSDAP seinem Ende entgegen.

Der Ort liegt am Fuß der Schwäbischen Alb, südlich von Reutlingen. Schweizer übernahm auch das dortige bekannte Prana-Haus und gab die Zeitschrift Die Weiße Fahne heraus, die 1939 eine Auflage von 450.000 Exemplaren erreichte. Damals lebte Schweizer schon nicht mehr. Er starb in der Haft, wurde vermutlich ermordet. Esoterik war den Nationalsozialisten verhasst, darum zerschlugen sie 1941 die einschlägigen Organisationen und verboten die Astrologie. Sie wollten das Monopol auf den Geist haben und ersetzten ihn durch ihren Ungeist.

100 Kilometer südlich von Pfullingen liegt mein Pfullendorf, das mit Fachwerk ausgestattet ist wie das Meßkirch von Heidegger.

Gegründet hat den Ort im Jahr 1220 Kaiser Friedrich II., der damals blutjung war, wie man richtig an seinem Abbild sieht.

Und in der barocken Kirche fand ich eine Tafel, die vermerkte, dass einen Tag nach dem Geburtstag meiner Mutter (29.8.1929) Nuntius Eugenio Pacelli dort predigte. Er wurde zehn Jahre später Papst, regierte bis 1958, schwieg zur Judenverfolgung und hatte sein Lieblingsplätzchen in Santa Marinella. So findet alles seinen Ort, und Pfullendorf war mir erklärt worden.

 

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