Den Vegetarier abschaffen

Markus Wild, Philosoph an der Universität Basel, gab der Neuen Zürcher Zeitung am vergangenen Heiligabend ein Interview über die Tiere und deren Rechte. Er möchte den Vegetarier abschaffen … aber nur als Begriff. Wenn man ihn, Wild, frage, ob er Vegetarier sei, sage er stets: Nein, aber ich esse kein Fleisch. Interessant.

Ich habe mich ja auch vor einem Jahr zum Vegetarier erklärt. Vielleicht sollte ich künftig auch sagen: Ich esse alles, bis auf Fleisch und Wurst. Auf die Frage Darf man Fleisch essen? (Interview von Markus Hofmann) antwortete Professor Wild:

Wenn man wie ich davon ausgeht, dass man empfindungsfähigen Tieren mit dem Töten einen Schaden zufügt, dann darf man kein Fleisch essen. Ich würde aber Insekten essen, da ich davon ausgehe, dass sie keine empfindungsfähigen Lebewesen sind. Was mir wichtig ist: Das ist kein universelles Gebot. Ich will weder die Inuit aus Kanada vertreiben noch den Menschen in Tansania verbieten zu fischen. Es kommt darauf an, ob es Alternativen gibt. Wir im Westen verbrauchen das meiste Fleisch, aber wir hätten auch genügend Alternativen zum Fleisch – auch in der Schweiz.

Gesehen in Zürich, Apr. 2013

Menschen mögen keine Essensverbote.

Ein Ethiker verbietet den Menschen nicht, Fleisch zu essen. Ethik funktioniert nicht über Verbote, sondern über Argumente: Ist man ein rationales Wesen, dann auferlegt man sich ein bestimmtes Verhalten selber, weil man die Gründe dafür einsieht. Eine sinnvolle Massnahme wäre, das Wort »Vegetarismus« aus der Welt zu schaffen. Oft wurde ich gefragt, ob ich Vegetarier sei, worauf ich antwortete: Nein, aber ich esse kein Fleisch. Das ist zwar dasselbe, aber der Vegetarismus ist konnotiert mit Beschreibungen wie schwächlich und unmännlich. Wenn man im Restaurant das fleischlose Essen mit «Menu 3» statt mit «Vegi-Hit» bezeichnet, wird es öfter gewählt – vor allem von Männern. Kein Fleisch zu essen, muss schlicht normaler werden.

2 Kommentare zu “Den Vegetarier abschaffen”

  1. Tina

    AufEnglisch klingt vegetarian positiv. Die Vegi-Angebote in den Restaurants und oft auch in den Pubs in London sind super. Es ist sogar sehr hip, vegetarian zu sein. Vielleicht klingt es im Deutschen so seltsam, weil man es unbewusst mit vegetieren verbindet…?? Obwohl, das
    Wort vegetate gibt es auch im Englischen.

  2. web108

    Liebe Tina! Ich bin damit auch nicht so einverstandne und nenne mich ganz ruhig Vegetarier, ohne mich nun als Schwächling zu fühlen. Das ist wohl ein subjektiver Eindruck, keine Ahnung, warum der Philosoph da so empfindlich ist. Schön, von dir zu hören! In Zürich kamm man auch toll vegetarisch essen, manchmal ganz auf indischer Basis, und dafür muss London ja das Optimum sein. Viele Grüße ciao servus Manfred.

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