Clemens Eich

Vor zehn Jahren, im Frühling in St. Gallen, fand ich bei ex libris den Gedichtband Aufstehn und gehn von Clemens Eich. (Ich schreibe immer vorn in ein Buch hinein, wo ich es erstanden oder bekommen habe.) Clemens Eich war der Sohn von Günter Eich, wurde 1954 geboren und ist 1998 gestorben.

Clemens Eich war Schauspieler und auch Lyriker wie sein Vater. Der Gedichtband stammt von 1980, und auf der Rückseite des S.-Fischer-Bandes steht: »Seine Gedichte ›handeln‹ von der Natur und der Liebe, dem Theater und immer wieder von einem viel zu frühen Sterben, als begänne für seine Generation das Leben mit dem Tod.« So etwas schreibt ein Lektor hin, das klingt mysteriös, Tod, Liebe und Theater, aber manch einer ahnt, dass er nicht viel Zeit hat.

Clemens Eich war 26, als er den Gedichtband veröffentlichte, und dann hatte er doch noch Leben vor sich, bis er am 22. Februar 1998 in Wien, wo er lebte, die Treppe einer U-Bahn-Station hinunterstürzte, wie ich irgendwo las.

Aufstehn und gehen

Nimm dein Gehn,
gib dir den Abschied.
Von dem Mädchen
mit dem weißen Hund.
Aus ihrer Anonymität
schrillen Telefone.
Nimm deinen Abschied
von der Allee,
der grünen,
von der Apotheke
mit den Beruhigungsmitteln,
von den Aufzählungen
gerner gelegener Städte.
Schmeiß deine Würfel
in den Sand,
laß die Gegenstände kreisen,
bis du gebändigt,
fast verwundert
hinter den Türen stehst.

Wir haben alle etwas mit dem Tod kokettiert, aber solange wir noch leben, ist unsere Mission noch nicht vollendet. Es gibt noch eine Menge zu tun.

Ins Dunkelblaue

Ich will sterben,
wo ich bin.
Im Gebiet der hungrigen Tiere,
der glänzenden Schafe,
am Mittag, der Planet ist angeschwollen,
Dämme brechen,
die Moore riegeln sich ab,
der Himmel schaut weg.
In Florenz betet ein Freund für mich,
auf den Kiesweg fällt Licht,
zwischen den Steinen liegen Gräser, unbehütet,
ein Windstoß treibt mich vorwärts.

Dementsprechend

Ich warte den Februar ab,
Stunden, fort und fort,
nie ganz bis zu mir,
ich lasse mich ahnen
von meiner Zeit,
in Wels fallen die Menschen
endlich getroffen vom Himmel,
die Frau trägt ihr Kind ins Meer,
ich habe keinen Maßstab für mich selbst.
Der Tod stand immer im Vorraum,
in allen Vorräumen, die ich kannte,
in die das Licht fiel,
zu Mittag.

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